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Rejected?

Nicht schön: Wenn ein Research Paper von einem Fachjournal abgelehnt wird, ist das bitter, sehr bitter. Denn schließlich hat man viel Zeit investiert und viel Herzblut vergossen. Wenn es Ihnen ein Trost ist: Dass ein eingereichtes Paper von einem peer-reviewed Journal abgelehnt wird, ist nicht die Ausnahme – es ist beinahe die Regel.

Ich würde schätzen, dass die Chancen bei einem soliden Mittelklasse-Journal etwa 50:50 stehen, akzeptiert zu werden. Je hochrangiger ein Journal ist, desto schlechter stehen die Chancen für ein reibungsloses ‚accepted‘. Die Ablehnungsraten der Top-Journals liegen manchmal bei über 90%.

Vom Schreibtisch aus oder zurück in´s Labor?

Schlechte Studien- oder Versuchsplanung

Es gibt Ablehnungsgründe, die man während des Schreibprozesses noch beeinflussen kann. Andere Ablehnungsgründe sind bereits in der Studien- oder Versuchsplanung verankert: Wenn die Ergebnisse bereits an anderer Stelle publiziert wurden (lack of originality), wenn Versuchsanordnungen und Methoden einfach nicht geeignet waren, eine bestimmte Hypothese zu testen (methodology problems) oder wenn die Ergebnisse keiner fundierten statistischen Prüfung standhalten (inappropriate statistical analysis), dann kann man eigentlich nur eines tun: zurück in´s Labor gehen.

Ok,“ werden Sie jetzt vielleicht sagen, „das waren tatsächlich die Ablehnungsgründe meines Papers, aber was soll ich jetzt tun? Mein Vertrag dauert nur noch ein paar Wochen und ich kann die Experimente nicht einfach wiederholen.“ → Sehen Sie dazu unten: „Inhaltliche Mängel im Text berücksichtigen.“

Wissenschaftliches Schreiben: Sie haben´s in der Hand

Andere Ablehnungsgründe dagegen hat man beim Schreiben des Papers noch in der Hand:

  • Logic problems: Die Argumentation ist nicht nachvollziehbar.
  • Language problems: Rechtschreib- und Grammatikfehler; Sätze und Formulierungen, die den Sachverhalt unnötig verkomplizieren oder unverständlich sind; übermäßiger Jargon.
  • Badly written abstract: besonders tragisch, weil das Manuskript gar nicht erst begutachtet wird, wenn der Abstract schlecht geschrieben, langweilig oder einfach zu lang ist (word count!).
  • Inappropriate formatting: Wenn ein Manuskript nicht entsprechend der Autorenrichtlinien formatiert wurde, liefert man selbst den Ablehnungsgrund – kann man vermeiden.

Ablehungsgrund vom Journal nur vorgeschoben

Das böse ‚Rejected‘ kann an diesen oder anderen Gründen liegen, muss aber nicht. Manchmal werden von den Journals/Reviewern solche Gründe nur vorgeschoben. In einem solchen Fall kann man versuchen, dagegen zu argumentieren. Wenn das nichts bringt, muss man in den saueren Apfel beißen, das Manuskript umschreiben und es bei einem anderen Journal noch mal probieren.

Zusammenfassung: Die häufigsten Gründe, warum ein Paper vom Journal abgeschossen wurde

Vom Fachjournal abgeschossen aufgrund inhaltlicher Mängel

  • Abgelehnt: Ergebnisse nicht neu genug
  • Abgelehnt: Methoden ungeeignet
  • Abgelehnt: Auswertung fehlerhaft

Vom Fachjournal abgeschossen aufgrund sprachlicher Mängel

  • Abgelehnt: unklare Argumentation
  • Abgelehnt: sprachliche Fehler, zu kompliziert
  • Abgelehnt: Abstract zu lang
  • Abgelehnt: Autorenrichtlinien nicht beachtet

Inhaltliche Mängel im Text berücksichtigen

Angenommen, Sie haben keine Möglichkeit, Experimente zu wiederholen, dann versuchen Sie, die inhaltlichen Probleme wenigstens angemessen im Text zu berücksichtigen:

  • Abgelehnt: Ergebnisse nicht neu genug
    Prüfen Sie genau die Publikation, in der die Ergebnisse bereits gezeigt wurden: Gibt es noch so kleine Unterschiede? Andere Auswahlkriterien bei der Patientenrekrutierung? Ein anderer Zelltyp? Betonen Sie diesen Unterschied im Text und wählen Sie ein Journal, dessen inhaltliche Ausrichtung dazu passt.
  • Abgelehnt: Methoden ungeeignet
    Diskutieren Sie Ihren methodischen Ansatz (Discsussion, Limitations). Begründen Sie, warum Ihre Ergebnisse dennoch aussagekräftig sind.
  • Abgelehnt: Auswertung fehlerhaft
    Ok, das ist einfach. Wiederholen Sie die Statistik oder beschränken Sie sich auf einfache Verfahren. Betonen Sie ggf. die klinische Relevanz gegenüber der statistischen Signifikanz.

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