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Wissenschaftliche Fachartikel im Klartext: plain language

Die Sprache eines Research Papers sollte einfach sein – sozusagen „im Klartext“ geschrieben (plain language). Denn angesichts der komplexen wissenschaftlichen Inhalte und der vielen abstrakten, aber notwendigen Fachbegriffe sollte zumindest die restliche Sprache leicht sein – der Leser wäre sonst sehr schnell überfordert.

Der Inhalt des Papers – für den Leser etwas Neues

Wer tief in seiner Materie steckt und jede Publikation seines Fachgebietes kennt, kann es sich vielleicht nicht mehr vorstellen – dass für den Leser dies alles Neuland ist: der Hintergrund, die Methodik, die Ergebnisse. Er hat weder Ihren Background, noch weiß er, welche Versuche Sie durchgeführt haben und was dabei rauskam – klar, deshalb soll er das Paper ja lesen, verstehen und am besten auch zitieren (Paper = Originalarbeit).

Um die wissenschaftliche Argumentation eines Manuskripts nachvollziehen zu können, benötigt der Leser höchste Konzentration und Aufmerksamkeit – nichts darf ihn ablenken. Damit er sich nun ganz auf die wissenschaftlichen Inhalte konzentrieren kann, sollte die Sprache des Papers einfach und leicht sein: plain language.

„The purpose of a plain-language approach in written communication is to convey information easily and unambiguously. It should not be confused with an oversimplified, condescending style. Rather, by choosing straightforward vocabulary and sentence structures and by organizing and presenting your material clearly and logically, you can save the reader time and effort and ensure that your message will be clearly understood.“ (Plain Language. Translation Bureau. Public Works and Government Services Canada [Web-Link 24.7.2017])

Hier folgen drei einfache Maßnahmen, um ein wissenschaftliches Manuskript im Klartext zu schreiben.

Research Paper: Plain Language in drei Schritten

[1] Kürze – kein Bla-Bla in den wissenschaftlichen Sätzen des Manuskripts

In der plain language (Klartext) dürfen wissenschaftliche Sätze nicht zu lang sein.Die Kürze ist ein wichtiger Faktor: kurze Sätze, kurze Wörter, kurze Formulierungen. Statt „notwithstanding“ genügt auch „despite“, statt „was found to be“ auch „was“ und mit „based on fact that“ wird nichts anderes ausgedrückt als mit „because“.

In diesem Zusammenhang sollte man sich auch immer überlegen, ob ein Wort auch notwendig ist: Statt „absolutely required“ genügt „required“ (weil sich „notwendig“ nicht steigern lässt) und wenn Patienten genesen, kann man das mit „patient recovered“ kurz und bündig ausdrücken (statt „patient recovered from their condition”).

Sätze – wie lang sie sein dürfen und wie man sie kürzt, habe ich in einem separaten Beitrag behandelt (Wann ist ein Satz zu lang?). Daher nur in aller Kürze:

  • bis 25 Wörter ist in einem wissenschaftlichen Paper in Ordnung
  • bei 25 bis 35 Wörtern sollte man prüfen, ob der wissenschaftliche Satz verständlich ist
  • ab 35 Wörtern sollte man kürzen (Ausnahme: der Satz enthält eine Aufzählung)

[2] Einfache Wortwahl im Manuskript – kein Gedöns

In der plain language (Klartext) sollte die wissenschaftliche Wortwahl einfach sein.Vermeiden Sie lateinische Fremdwörter. Sie sind abstrakt und müssen vom Leser erst einmal intellektuell verarbeitet werden. Sie rauben ihm also wichtige geistige Ressourcen. Und diese Resourcen sollte er in jedem Fall besser dem Inhalt widmen.

„Therapeutic armamentarium“ ist so ein Beispiel. Ein einfaches „treatments available“ tut es auch. „Methodological novelty“ – hm?

[3] Die Verben im Manuskript – am besten aktiv

Drücken Sie in Ihrem Manuskript alle Tätigkeiten durch Verben aus, nicht durch Hauptwörter. Denn Verben machen das Manuskript lebendig und erhöhen die Aufmerksamkeit des Lesers. Schreiben Sie also „increased“ statt „an increase occurred“ oder “the patient’s condition improved” statt “there was an improvement in the patient’s condition”.

In der plain language (Klartext) sollten aktive Verbformen dominieren.Versuchen Sie dabei ein ausgewogenes Aktiv-Passiv-Verhältnis zu finden. Denn Verben in ihrer aktiven Form entsprechen unserer natürlichen Ausdrucksweise. Die Hauptwörterei in Kombination mit passiven Verbformen stammt dagegen aus der Beamten- und Behördensprache. Und so was liest man einfach nicht gern.

Wenn Sie diese drei Anforderungen der plain language umsetzen, wird die Sprache Ihres Manuskripts sehr klar werden – so klar, dass die Daten und Fakten deutlich hervortreten. So kann sich der Leser ganz auf den Inhalt konzentrieren und nichts lenkt ihn ab:

  1. Kurze Sätze im Manuskript; Worte: stets die kürzere Alternative
  2. Einfache Worte im Manuskript: Fachbegriffe ja, Fremdwörter nein.
  3. Aktive Verben im Manuskript: vermeiden Sie Beamtensprache

Kürze, Einfachheit, aktive Verben – diese und andere Parameter der plain language behandle ich im Paper-Protokoll in den Kapiteln 3 & 4 (Rohfassung schreiben und Überarbeitung; Inhaltsverzeichnis). Zum Thema Aktiv vs. Passiv gibt es außerdem einen weiteren Blog-Beitrag: Das leidige Passiv. Und: Es gibt einen weiteren Beitrag zur Plain Language in wissenschaftlichen Abbildungen. Ein paar hilfreiche Tipps habe ich außerdem bei Spiegel online entdeckt: Wissenschaftssprache.

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