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Stilsünde Sinnverdoppler

Wie erreicht man eine besonders klare Ausdrucksweise? Indem man alles weglässt, was nicht hundertprozentig notwendig ist. Der Absatz, der nichts zur Argumentation beiträgt, der Satz, der zwar schön klingt, aber inhaltlich nichts Neues bringt, und vor allem das Wort, das keine Information in sich trägt, sondern allein der Dekoration dient – all dies müssen wir entfernen, damit die reinen Fakten deutlich hervortreten können.

Gilt fürs wissenschaftliche Schreiben: Wahrheit ist nackt am schönsten

Schopenhauer hat einmal gesagt: „Wahrheit ist nackt am schönsten“ (Schopenhauer [Wkipedia-Link], Ueber Schriftstellerei und Stil. Erstausgabe Berlin, A. W. Hayn 1851). Für unsere Wissenschaftstexte, Paper, Reviews und Case Reports, bedeutet dies, dass wir alle Worte weglassen sollten, die nichts zum Inhalt beisteuern.

Und solche derart überflüssigen Wörter sind zum Beispiel Sinnverdoppler; dieses Stilsünde wird Tautologie genannt.

Sinnverdoppler (Tautologie)

Historische Beispiele für eine Tautologie sind der alte Greis und der weiße Schimmel. In modernen Wissenschaftstexten erfahren wir, dass das anschließend folgende Experiment zwingend notwendig war oder dass eine gemeinsame Kooperation statistisch signifikante Ergebnisse hervorbrachte. Wir lesen, dass grün gefärbte Proben, bislang zwölf an der Zahl, laut zukünftiger Vorhersagen zunehmend häufiger auftreten werden.

Wie unterscheidet sich das anschließende vom folgenden Experiment und ist die Signifikanz nicht immer statistisch? Können die Proben nicht einfach grün sein (außer man hat tatsächlich Farbstoff hineingekippt) und bedeutet „zunehmend häufiger“ so etwas wie „exponentielles Wachstum“?

Oberbegriff für derartige Stilprobleme ist übrigens der Pleonasmus („Wortreichtum ohne Informationsgewinn“). Wer das Thema vertiefen will: hier ein Link zu einem Artikel aus SPIEGEL Online: Zweifach doppelt gemoppelt (Bastian Stick, 2005).

Warum eine Stilsünde?

Klar, ein Text wird durch Sinnverdoppler unnötigerweise länger und wer mit dem maximal zulässigen Word Count seines Papers oder Abstracts kämpft, sollte zuerst mal die Sinnverdoppler streichen. Außerdem: Sie wirken oft ein wenig lächerlich, diese Sinnverdoppler, wenig professionell(1). Wer sich den Gutachtern und Lesern als Profi-Wissenschaftler präsentieren möchte, sollte darauf verzichten.

Aber warum sind Sinnverdoppler und andere rein dekorativen Wörter eine Stilsünde? Weil sie sich wie eine Staubschicht über die Fakten legen. Die Konturen gehen verloren, die nackte Wahrheit wird verschleiert. Streichen Sie Dekorationen, Sie brauchen sie nicht.

(1) Dank an Ironiker für den Hinweis!

1 Kommentar

  1. Ironiker at |

    „[…] wenig professionel.“

    Ironie ist schon was feines, ganz besonders, wenn sie fein ist :-)

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