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Prägnanz! Kein Gedöns!

In einem meiner letzten Beiträge habe ich dieses Zitat schon einmal genannt: „Wahrheit ist nackt am schönsten“ (Schopenhauer, Ueber Schriftstellerei und Stil. Berlin, A. W. Hayn 1851). Für Wissenschaftstexte bedeutet das: Keine unnötigen Wörter, keine Phrasen dreschen.

Wir müssen uns immer wieder fragen: Geht das auch prägnant? Erfüllt jedes Wort seinen Zweck oder könnten wir es auch weglassen, ohne den Sinn zu verändern? Es gibt eine Reihe von Floskeln, die nichts zum Inhalt eines Satzes beisteuern, sich aber in Wissenschaftstexten breitgemacht haben und sie unnötig aufblähen. Hier einige Beispiele:

Floskeln zum Einstieg: it is known, it has been found, it was demonstrated that

Diese Floskeln zum Einstieg kündigen an, dass etwas bekannt ist:

  • It is known that the these medications are responsible for effects on …
  • It has been found that exposure to auditory stimuli produces …

Medications are responsible und exposure to auditory stimuli produces – beide Sätze stehen in der Gegenwartsform, dem Präsens. Dies allein signalisiert dem Leser eines Wissenschaftstextes bereits, dass der Sachverhalt bekannt ist. Die vorgeschalteten Floskeln werden also nicht unbedingt benötigt: These medications are responsible … würde auch so funktionieren.

Verboten sind die „it-is-known-Floskeln“ natürlich nicht – möchte man in seinem Wissenschaftstext nach einem Absatz zu offenen Fragen und unbewiesenen Hypothesen den Leser darauf aufmerksam machen, dass nun wieder handfeste Fakten folgen, kann eine Formulierung wie „it is known that“ durchaus einen kommunikativen Zweck erfüllen – tut sie das jedoch nicht, kann man darauf verzeichten, denn nur ohne sie wird der Satz prägnant.

Floskeln für einen Vergleich: with respect to, in terms of

Auch diese Formulierungen findet man sehr häufig in Wissenschaftstexten. „Im Bezug auf Alter und Gewicht waren beide Gruppen vergleichbar.“ Grammatikalisch betrachtet ist „im Bezug auf“ natürlich in Ordnung, wobei die daraus resultierende Satzkonstruktion etwas umständlich klingt. Geht auch einfach und prägnant: „…hatten ein vergleichbares Alter…“.

Die Dosis macht das Gift. Treten Formulierungen wie with respect to und in terms of gehäuft auf, verliert der Wissenschaftstext an Prägnanz. Daher sollte man sich stets überlegen, ob man nicht die ein oder andere dieser Formulierungen durch eine Präposition oder ein Verb ersetzen könnte:

  • The study-arms were comparable with respect to age, weight, and Hba1c-levels.[Floskel!]
  •  The study-arms were of comparable ages, weights, and Hba1c-levels.[Prägnant!]
  • In terms of efficacy, there was no difference between both drugs. [Floskel!]
  • Both drugs were equally effective. [Prägnant!]

Floskeln für Substanzen: the use of, the presence of

Auch das sind häufige Floskeln, die manchmal etwas gedankenlos verwendet werden:

  • The use of drug X caused an increase of body weight …
  • … were induced by the presence of TGF-beta …

Könnte Medikament X zu einer Zunahme des Körpergewichtes führen, wenn es nicht benutzt wird? Und könnte TGF-beta etwas induzieren, wenn es überhaupt nicht anwesend ist? Wenn Sie einfach schreiben „Drug X increased body weight“ und „…were induced by TGF-beta“ ist das viel kürzer und prägnant – und am Sinn ändert sich nichts.

Fazit

In manchen Fällen kann es Gründe geben, die oben genannten Formulierungen und Floskeln zu verwenden. In anderen Fällen stören sie nicht.

In prägnanten Wissenschaftstexten treten die Fakten deutlicher hervor.

In vielen Fällen jedoch kommen wir auch gut ohne sie aus. Dann sollten wir auf sie verzichten.

Denn, wie gesagt: Das Übermaß an solchen Floskeln, bläht einen Wissenschaftstext unnötigerweise auf. Das trübt die Verständlichkeit.

Knackige und prägnante Wissenschaftstexte werden leichter aufgenommen, weil die Fakten deutlicher hervortreten.

Weiterer Beitrag zum Thema Floskeln und Jargon: Jargon

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