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Risk Ratio & Odds Ratio

Im letzten Beitrag habe ich mich ein wenig über Risks und Odds ausgelassen. Hier nun (wie angekündigt) ein Beitrag über das, was man damit machen kann.

Nicht verwechseln: Risk Ratio und Odds Ratio

Risk und Odds Ratio sind Begriffe, die man in der medizinischen Forschung auseinander halten sollte – vor allem, wenn man ein klinisches Paper veröffentlichen möchte. „Problems arise for clinicians or authors when they interpret the odds ratio as a risk ratio, as the efficacy of protective interventions or the strength of disease determinate associations will be overestimated. (…) As they use different measures of disease frequency, it is important they are not treated as interchangeable.“ (Pubmed-Link: Interpretation of odds and risk ratios) [1]

Risk Ratio in der medizinischen Forschung

Nehmen wir an, wir untersuchen das Risiko für vorzeitigen Haarausfall in zwei Gruppen, die einen unterschiedlichen Genotyp aufweisen (08/15-Gen versus 9t5-Gen).

  • In der 08/15-Gruppe hatten 13 von 425 untersuchten Personen vorzeitigen Haarausfall. Das Risiko für Haarausfall betrug in dieser Gruppe also 13/425= 0,0306 (3,06%).
  • In der 9t5-Gruppe hatten 2 von 327 untersuchten Personen vorzeitigen Haarausfall. Das Risiko für Haarausfall betrug in dieser Gruppe also 2/327= 0,0061 (0,61%).

Solche Befunde werden häufig als Risk Ratio dargestellt, also als Verhältnis der Risiken. Dies erhält man, wenn man das eine durch das andere teilt:

  • Risk Ratio: 3,06 / 0,61 = 5,02. Die Personen der 08/15-Gruppe hatten also ein ca. 5-fach höheres Risiko, vorzeitig die Haare zu verlieren, als die die Leute aus der 9t5-Gruppe (oder: vorzeitiger Haarausfall ist in der 08/15-Gruppe 5-mal wahrscheinlicher als in der 9t5-Gruppe).
  • Ist das Risiko in beiden Gruppen identisch (z.B. 2% und 2%), dann beträgt die Risk Ratio = 1.
  • Wenn man die beiden oben genannten Gruppen umdreht, ist die Risk Ratio kleiner als 1. Denn dann ergibt sich mit 0,61 / 3,06 eine Risk Ratio von 0,2, was nichts anderes bedeutet, als dass das Risiko der 9t5-Gruppe ein Fünftel des 08/15-Risikos beträgt.

Odds Ratio in der medizinischen Forschung

In einer anderen Studie ging es um die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten der beiden oben genannten Gruppen Pickel haben.

  • In der 08/15 Gruppe waren dies 33 von 150. Die Wahrscheinlichkeit (odds) betrug also 33 / 117 = 0,28.
  • In der 9t5-Vergleichsgruppe betrug die Wahrscheinklichkeit 0,16.
  • Die Odds-Ratio wäre dann: 0,28 / 0,16 = 1,75.

Ein Wert größer 1 heißt, dass die Wahrscheinlichkeit in der ersten Gruppe größer ist, ein Wert kleiner 1, dass die Odds der ersten Gruppe kleiner sind. Ein Wert von 1 ist ein gleiches Quotenverhältnis.

Nun alles klar mit Risk, Odds und Ratio? Mir ist schon klar, dass ich hier diese statistischen Themen extrem verkürzt darstelle. Mir geht es jedoch nicht darum, irgendetwas zu berechnen. Mir geht es darum, statistische Begriffe, die man beim Scientific Writing manchmal braucht, knapp zu erklären.

Der Grund, warum ich überhaupt hier etwas zu diesem Thema verbreite, ist, dass ich in meinem Schreibratgeber „Das Paper-Protokoll“ alles ausgeklammert habe, was nicht direkt etwas mit dem wissenschaftlichen Schreiben zu tun hat. Mein Ziel war, ein prägnantes Schreibprotokoll zu machen, eine ‚Hands-on-Anleitung‘. Deswegen musste ich mich einfach fokussieren und hole das hier jetzt nach. Hier gehts zum Buch: Das Paper-Protokoll.

Ob das Paper-Protokoll auch beim Schreiben eines klinischen Papers hilft? Klar, der Schreibprozess bleibt der gleiche und die Grundregeln des Scientific Writing gelten auch hier.

[1] O’Connor AM. 2013. Interpretation of odds and risk ratios.J Vet Intern Med. 27(3):600-3.

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