Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Paper ‚rejected’ – und schnell wieder auf Start

In großen, roten Lettern prangt REJECTED auf der Titelseite Ihres Papers. Die Nerven liegen blank, der Frust ist groß. Hier hilft nur eines: schnell wieder einreichen, beim nächsten Journal, auch wenn der Impact Factor geringer ist – nur weg damit.

Ein abgelehntes Paper schnellstmöglichst bei einem anderen Journal einzureichen, gilt gemeinhin als die beste Lösung, den Forscherfrust zu bekämpfen. Doch Vorsicht: Eine übereilte Submission birgt die Gefahr einer erneuten Rejection – und zwar einer Rejection aus formalen Gründen.

Checkliste gegen Formfehler

Denn: Nicht nur der Zitierstil unterscheidet sich zwischen den Journals. Es gibt eine ganze Reihe von Details, die es an die Anforderungen des neuen Journals anzupassen gilt. Hier der Versuch einer Checkliste – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Zitate

Klar, das Literaturverzeichnis kann man mit wenigen Maus-Klicks anpassen, meistens auch die In-Text-Citations. Das erledigt die Software. Handarbeit ist jedoch nötig, wenn im neuen Journal die Referenznummer hochgestellt wird – denn dann steht sie meist nicht mehr vor dem Satzzeichen, sondern dahinter: …. as decribed (3). -> … as described.[3]

Wird ein biomedizinisches Research Paper abgelehnt, ist das sehr bitter.

Zusätzliche und – zugegeben – nervige Arbeit wird notwendig, wenn das neue Zieljournal die Zahl der Referenzen beschränkt. Denn: Was soll man weglassen?

Hier muss man tatsächlich sein Paper auch inhaltlich überarbeiten: Referenzen einfach wegnehmen und Informationen ohne Quellenangabe zurücklassen, geht schließlich nicht.

Abstract

Ein geringerer Word count wird verlangt? Nicht schön, aber ein lösbares Problem. Achten Sie auch darauf, ob das Journal zum Beispiel einen strukturierten Abstract verlangt, der Überschriften wie ‚Background‘, Objective‘ etc. enthält.

Gesamttext

Überhaupt Word count: Auch der Umfang des gesamten Papers kann im neuen Journal limitiert sein. Probieren Sie es erstmal mit rein sprachlichen Änderungen (z.B. Nominalstil und Passiv entfernen, dann wird der Text zwangsläufig kürzer – 15 % bis 20 % sind in jedem Fall drinnen; siehe hierzu ‚Das Paper-Protokoll‘ [Phase 4: Überarbeitung]). Nebenbei: Hier ein Blogbeitrag zum Thema „sprachliche Gründe einer Rejection“.

IMRAD-Struktur oder irgendwie anders?

Statt Introduction vielleicht Background und nach der Discussion eine zusätzliche Conclusion? Zwar halten sich die meisten Journals im Großen und Ganzen an die klassische IMRAD-Struktur, im Detail sieht der Aufbau eines Papers dann aber vielleicht doch ganz anders aus.

Also: Die Namen der Kapitel können sich unterscheiden und es können auch zusätzliche Textelemente verlangt werden wie etwa die Take-home-message als Bullet-Point-Liste: „Clinical Relevance“, „Major Findings“ oder so etwas in der Art. Auch möglich: Es werden zusätzliche Declarations verlangt – zum Interessenskonflikt oder zum konkreten Beitrag jedes einzelnen Ko-Autors.

Titel

Werden Alle Wörter Großgeschrieben – oder nur Substantive? Oder nur das erste? Oder das erste und das Letzte? By the way: Einige Journale verlangen eine zusätzliche „Blinded title page“, also ohne Autorennamen, um einen anonymisierten Review-Prozess zu ermöglichen.

Abbildungen und Tabellen: zahllose Details

Figure oder Fig, Table oder Tab? Ausgeschrieben oder abgekürzt im Text und/oder in der Legende? Und wie viele dürfen es sein – 5, 6 oder 8? Es hilft, die Instructions des neuen Zieljournals auf eine kurze Checkliste einzudampfen, um keine notwendigen Änderungen zu vergessen.

‚Dear Sir, Dear Madam’ oder ‚Hi folks’?

Centre – center, favourite – favorite, analyze – analyse. Viele Journale lassen den Autoren die Wahl, ob das Englisch british oder american sein soll, andere nicht. In jedem Fall, sollte man in seinem Paper – wie immer – einheitlich bleiben (auch hierzu ‚Das Paper-Protokoll‘ [Phase 4: Überarbeitung und Anhang]).

Zu guter Letzt: Cover Letter

Gerade auch das Anschreiben an den Editor verdient eine gewissenhafte Überarbeitung: Wie auch bei einer Bewerbung darf so ein Anschreiben nicht beliebig klingen und sollte auf die Anforderungen und den Fokus des neuen Wunsch-Journals eingehen. Hier der Link zu einem kurzen Beitrag zum Thema „Cover Letter“.

So, und jetzt: Viel Glück!

Einen Kommentar schreiben

 
Link nach oben