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Die Diskussion – das Herzstück des Papers

Im „Paper-Protokoll“ habe ich es ungefähr so ausgedrückt: Die Diskussion ist das Herzstück des Papers – denn hier muss man zeigen, was man kann, dass man wissenschaftlich zu arbeiten und zu denken in der Lage ist.

Klar, es gibt manche Leser, die sich nur den Abstract des Originalartikels und die Abbildungen ansehen. Doch die meisten steigen bei einem interessanten Paper tiefer in die Materie ein und setzen sich intensiv mit der Discussion auseinander – dem Herzstück Ihres Papers.

Hier gibt es ein paar Fehler, die man als wissenschaftlicher Autor / als wissenschaftliche Autorin vermeiden sollte – formale wie inhaltliche Fehler, die sowohl bei den Gutachtern als auch bei den Lesern einer biologischen oder medizinischen Fachzeitschrift einfach schlecht ankommen.

Formale Fehler in der Diskussion

Die Länge der Discussion

Diskussion eines medizinischen oder biologischen OriginalartikelsWenn die Instructions to Authors für das gesamte Paper bzw. einzelne Kapitel einen maximalen Word Count nennen, dann sollte man sich daran halten. Das ist meist gar nicht so schwer, wenn man sich auf die Diskussion der eigenen Ergebnisse beschränkt – und keinen ausufernden Literatur-Review schreibt.

Ebenso: Verlangt das Journal im Anschluss an die Discussion weitere Textabschnitte wie etwa eine knappe Zusammenfassung der wichtigsten Befunde (z.B. ‚Clinical Relevance‘; ‚Key-Findings‘ o.ä.), dann sollte man auch das berücksichtigen. Gerade bei einer medizinischen Fachzeitschrift ist das oft so.

Zitate

Der Vergleich der eigenen Ergebnisse mit Literaturdaten ist ein zentrales Element jeder guten Diskussion. Diese Literaturdaten sollten natürlich aktuell sein und unterstützende, aber auch widersprechende Publikationen beinhalten – ein schlechter Stil und auch ein Grund zur sofortigen Rejection des Papers ist übrigens, wenn ein Autor nur die ihm genehmen Publikationen zitiert und die anderen verschweigt. Selbstredend müssen beim Zitieren und bei der Gestaltung des Literaturverzeichnisses die Vorgaben der Fachzeitschrift beachtet werden.

Inhaltliche Fehler der Diskussion

Results und Details

In der Discussion sollte man dem Leser seine Argumentationskette vor Augen führen. Man nennt und diskutiertet also seine Results mit den entsprechenden Schlussfolgerungen – aber bitte: man wiederholt hier nicht einfach seine Daten. Zahlen und Messwerte haben in der Discussion nichts verloren. Beispiel aus einem biologischen Paper:

  • Not good: We found a 4.3-fold reduced cyclin D1 level at 6 h after PDGF-stimulation (p = 0.002). Wegner et al. also showed a decrease of cyclin D1 expression after 6 h of cytokine stimulation [31].
  • Better: Consistent with our findings on cyclin D1 reduction, Wegner et al. [31] also reported decreased levels of cyclin D1 after 6 h of cytokine stimulation.

Übrigens: Wird ein Autor oder eine Studie namentlich genannt (Wegner et al.), sollte man die Quellenangabe direkt nach dem Namen platzieren.

Limitations

Viele biologische und medizinische Fachzeitschriften verlangen explizit, dass die Discussion einen Abschnitt zu den methodischen Einschränkungen (Limitations) einer Arbeit bzw. einer Studie enthält. Ich finde: In jedem Fall sollte die kritische Betrachtung der eigenen Arbeit nicht vernachlässigt werden und Bestandteil jeder Diskussion sein. Das heißt ja nicht, dass man die methodischen „Schwachpunkte“ seiner Arbeit dem Leser kommentarlos vor den Latz knallen soll. Im Gegenteil: Wenn man diese Fehler und Probleme diskutiert – also erklärt, warum die eigenen Ergebnisse trotzdem aussagekräftig sind – kann man den Kritikern bzw. den Gutachtern der Fachzeitschrift den Wind aus den Segeln nehmen. Beispiel aus einem medizinischen Paper:

  • Another limitation of our study is the small sample size, which prohibits generalization of the results. However, disease X is very rare, and our study covers the largest number of cases to date …

Take-home-message

Im letzten Absatz der Discussion findet man gewöhnlich die Schlussfolgerung des Papers als komprimierte Take-home-message (in conclusion, to conclude etc.). Da das Ende der Discussion eine sehr exponierte Stelle im Manuskript ist, fallen Fehler hier sofort auf.

Häufige Fehler in der Diskussion von biologischen und medizinischen Papern sind:

  • Eine Take-home-message fehlt: Die Autoren haben vergessen Ihre Erkenntnisse auf den Punkt zu bringen. Schade, der Leser hat dann nichts Greifbares, das er sich merken kann.
  • Die Ergebnisse werden überinterpretiert: Wenn die Schlussformel lautet „drug X can prevent Alzheimer´s disease“ werden die Leser skeptisch – vor allem wenn man ausschließlich Tierversuche gemacht hat.
  • Anstelle einer spezifischen Schlussfolgerung, werden Allgemeinplätze verbreitet: „In conclusion, our results are promising. Further large scale trials are now required to confirm our data.“ Hm, nicht schön, oder?

Die Länge der Discussion, Zitate, Result-Details, Limitations, Take-home-message – das waren ein paar Fehler, die mir häufig in biologischen und medizinischen Fachzeitschriften in der Diskussion begegnen. Kennen Sie weitere? Schreiben Sie mir doch einen kurzen Kommentar!

Zusammenfassung: Fehler vermeiden in der Diskussion eines biologischen oder medizinischen Fachartikels

  • Autorenhinweise der Fachzeitschrift beachten: Word count & Struktur
  • Zitate: Auch widersprechende Quellen diskutieren
  • Argumentation: Keine Zahlen oder Rohdaten, sondern ‚Ergebnisse‘ diskutieren
  • Methodische Einschränkungen (Limitations) offen nennen
  • Am Ende eine prägnante Take-home-message schreiben

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