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Was? Ein Tortendiagramm?

Zugegeben – Tortendiagramme in einem Research Paper, in einer Präsentation oder auch auf einem Poster sind ein wenig aus der Mode gekommen. Zu Recht? Nicht unbedingt. Es gibt Daten, die sich so am besten darstellen lassen. Bei anderen Daten ist das Tortendiagramm ein No-Go. Die Frage ist, bei welchen?

In Ordnung bei nominalen Daten

Ich beginne mit Situationen, in denen ein Tortendiagramm durchaus in Ordnung ist:

Etwa bei kategorischen bzw. nominalen Daten wie Geschlecht, Verteilung der Blutgruppen, Verteilung der Todesursachen, Ergebnissen von ja/nein-Umfragen oder anderen binären Daten.

Gerade auf einem wissenschaftlichen Poster oder auf einer Präsentationsfolie gewinnnt der Leser einen schnellen Überblick.

Undenkbar ist ein Tortendiagramm jedoch bei…

…numerischen Daten: Einen Zeitverlauf mit einem Tortendiagramm darstellen zu wollen, kann nicht gut gehen. Ein Liniendiagramm wäre die richtige Wahl.

…negativen Werten: Anstieg des Hb1Acv-Wertes bei Gruppen 1, 3 und 4, aber eine Abnahme bei Gruppe 2. Im Tortendiagramm käme die Message nicht rüber – im Balkendiagramm schon.

…ordinalen Daten: Wenn Sie diesen Blog bewerten und Schulnoten von 1 bis 6 vergeben, dann haben die Daten eine logische Reihenfolge, nämlich von 1 (ganz links) bis 6 (ganz rechts). Ein Tortendiagramm würde dem nicht gerecht werden.

Prinzipiell: Sind es zu viele Kategorien, wird das Tortendiagramm irgendwann unübersichtlich – Balken wären dann besser.

Neulich habe ich in einem Übersichtsartikel ein Tortendiagramm gesehen, auf dem nominale Daten (die Blutgruppen-Zusammensetzung) in Prozent dargestellt wurden. Die Werte ergaben in der Summe 102%. Nicht gut. Das Tortendiagramm  sollte insgesamt die 100 % zeigen – nicht 99 %, nicht 101 %.

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