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Darum gehts im Paper: Objective, Purpose, Hypothesis

Ich finde, es ist eine der wichtigsten Positionen in einem biomedizinischen Originalartikel: der letzte Absatz der Einleitung. Denn hier findet man einen zentralen Eckpunkt des Papers: Die Fragestellung oder Zielsetzung.

Die Fragestellung oder Zielsetzung am Ende der Introduction entscheidet, ob sich der Leser die Mühe macht weiterzulesen und, wenn ja, mit welchen konkreten Erwartungen.

Gleiches gilt auch für den Editor eines Fachjournals: Er liest sich die Einleitung durch, um zu entscheiden, ob der Originalartikel in seine Zeitschrift passt. Die Fragestellung, Hypothese oder Zielsetzung am Ende der Einleitung sollte ihn fesseln. Denn sonst schickt er das Paper nicht an die Gutachter, sondern in den Mülleimer.

Die Frage lautet: Wie macht man es richtig mit dieser wichtigen Textposition?

Fragestellung oder Zielsetzung eines Papers

Zuerst muss man sich die Frage stellen: Schreibe ich im letzten Absatz der Introduction eine Fragestellung oder aber eine Zielsetzung? Es kommt darauf an, ob Sie eine Hypothese getestet oder deskriptiv geforscht haben:

  • Wenn Sie eine Hypothese getestet haben, bietet sich eine Frage an (damit meine ich immer eine „ob-Frage“): We asked if the compound inhibits XY. Die Hypothese lautet: The compound inhibits XY. Eine ob-Frage ist immer dann gut, wenn Sie den Effekt eines Wirkstoffes getestet haben.
  • Bei einer deskriptiven Analyse nennen Sie dagegen das Ziel Ihrer Untersuchung (here, we report the characterization of …): Bei einer deskriptiven Arbeit wurde also nicht untersucht, ob ein Medikament oder eine andere Intervention einen bestimmten Effekt hervorruft. Sondern: Effekte, Phänomene o.ä. werden beschrieben.

Wie viele Fragen und Ziele sind in einem Paper erlaubt?

Klar, in einer Studie werden oft Teilfragen nach den verschiedenen Effekten eines Wirkstoffes gestellt. Oder eine deskriptive Analyse hatte verschiedene Ziele oder untersuchte verschiedene Parameter. Kann man also mehrere Hypothesen und Zielsetzungen formulieren? Nein – eine Studie sollte immer eine Haupt-Hypothese untersuchen oder eine Haupt-Zielsetzung haben.

Denn der Leser braucht eine klare Frage bzw. ein klares Ziel. Das gilt übrigens für alle Texte, egal wie lang sie sind. Bei Romanen nennt man das Prämisse – auch davon gibt es pro Buch immer nur eine einzige (so beschreibt Moby Dick den Kampf mit dem weißen Wal und nicht zusätzlich den mit dem weißen Hai).

Kardinalfehler in einem Originalartikel

Die „Auflösung“ der Fragestellung bzw. Zielsetzung findet man zu Beginn der Diskussion. Hier erfährt der Leser die Antwort bzw. die Bestätigung der Hypothese oder das zentrale Schlüsselergebnis einer deskriptiven Analyse.

Ein biomedizinisches Research Paper fürht den Leser von der Question zur Answer.Der schlimmste Fehler, der einem wissenschaftlichen Autor oder einer wissenschaftlichen Autorin unterlaufen kann, ist, dass diese Paare nicht zusammenpassen – in Inhalt und Wortwahl. Denn dann sitzt der Leser ratlos vor dem Text und versteht die Welt nicht mehr. Folgens Beispiel hatte ich im Paper-Protokoll geschildert:

  • Letzter Absatz Introduction: In this study, we demonstrated the applicability of our method to monitor the infiltration of endothelial cells, in the presence or absence of tumor cells.
  • Erster Ansatz Discussion: Here, we characterized endothelial cell invasion in response to cancer cells.

In der Einleitung klingt es so, also ob in dem Paper eine Methode beschrieben wird. Der Beginn der Disksussion klingt dagegen eher, als würde die cell invasion charakterisiert, also beschrieben werden. Dazu kommt noch die Verwendung von Synonyme für infiltration (invasion) und tumor cells (cancer cells). Für den Leser ist das alles sehr undurchsichtig.

Besser: Man entscheidet sich für eine klare Frage, die auch eindeutig beantwortet werden kann:

  • We asked if the presence of cancer cells increases invasion …
  • Here, we report that the presence of cancer cells increases …

Das ist für den Leser eine klare Sache, denn so entsteht zwischen den beiden Eckpunkten Frage und Antwort ein eindeutiger roter Faden, dem der Leser leicht folgen kann.

Das Paper-Protokoll ist eine systematische Schreibanleitung für biomedizinische Originalartikel.Eckpunkte wie Question, Answer oder auch Gegenral Topic und Conclusion waren ein wichtiges Thema im Paper-Protokoll. Denn diese Eckpunkte kann man „planen“ und so eine zielgerichtete Argumentation entwickeln, bevor man seine Sätze und Absätze ausformuliert.

Das Paper-Protokoll: Eine systematische Schreibanleitung für biomedizinische Originalartikel

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