Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Synonymitis killt Verständlichkeit

Die Deutschlehrer sind schuld, ja die Deutschlehrer. Denn sie haben uns eingebläut: „Eine Wortwiederholung ist böse!“ Dafür gab es dann das rote „W“ am Rand. Doch das Gegenteil ist schlimmer: Synonymitis!

Warum eigentlich sollte eine Wortwiederholung böse und so richtig evil sein? Keine Ahnung. Wahrscheinlich wurde diese Regel für den Deutschunterricht aufgestellt, um die Schüler zu ermuntern, möglichst viele verschiedene Begriffe zu verwenden – um so den Wortschatz zu erweitern. Ok, geschenkt. Hat vielleicht funktioniert.

Nicht die Wortwiederholung, sondern die Synonymitis ist böse

Warum wir im Research Paper Wörter wiederholen müssen

Doch um eine geschmeidige wissenschaftliche Kommunikation zu erreichen, müssen wir als wissenschaftliche Autoren und Autorinnen Wörter wiederholen. Ganz recht: Wir müssen. Denn nur, wenn wir in einem Research Paper einheitliche Key-Words verwenden, kann uns unser Leser problemlos folgen. Denn dann muss er sich über die Bedeutung der einzelnen Begriffe keine Gedanken mehr machen und kann sich ganz auf die wissenschaftlichen Zusammenhänge konzentrieren.

Warum wir die Key-Words im Research Paper nicht variieren dürfen

Die Synonymitis ist genau das Gegenteil der Wortwiederholung, nämlich das ständige Variieren der Wortwahl. Autoren, die an Synonymitis erkrankt sind, versuchen in ihrem Artikel immer und immer wieder für eine bestimmte Sache unterschiedliche Begriffe zu finden. Das kann die Verständlichkeit eines Textes stark beeinträchtigen.

Denn: Der Leser erwartet bei einem neuen Begriff intuitiv auch eine neue, andere Sache. Er muss also bei jedem neuen Begriff erst einmal nachvollziehen, dass der Autor oder die Autorin das Gleiche meinte. Erschließt sich das dem Leser nicht auf Anhieb, schicken ihn die Synonyme auf den Holzweg. Und ein Leser, der auf dem Holzweg herum irrt, tritt das Paper, den Review oder Case Report irgendwann in die Tonne.

Prinzip der Kommunikation: einheitliche Key-Words im Research Paper

Natürlich dürfen Sie Verben, Adjektive und sonstige Worte nach Herzenslust variieren – nur die wissenschaftlichen Schlüsselbegriffe müssen einheitlich bleiben: Denn Synonymitis killt Verständlichkeit. Haben Sie für eine bestimmte Sache einen präzisen Begriff gefunden, dann bleiben Sie dabei. Denn so bleibt der Leser auf Spur und kann sich ganz auf den wissenschaftlichen Inhalt konzentrieren.

Das folgende Beispiel stammt aus verschiedenen Abschnitten eines einzigen Papers – es ging um ein bestimmtes entzündungshemmendes Medikament. Die Autoren benutzten dafür folgende sieben Synonyme:

In einem biomedizinischen Originalartikel wurden für ein und dieselbe Sache (anti-inflammatory compounds) sieben verschiedene Synonyme verwendet.

Was passiert beim Leser? Beim ersten Synonym anti-inflammation compound ist es nur ein leichtes Stirnrunzeln, denn er ist sich nur ein klein wenig unsicher, ob sich dieser Begriff auch auf das gleiche Medikament bezieht. Bei den nächsten Synonymen compound with anti-inflammatory activity bzw. properties fängt er vielleicht schon an, sich irritiert am Kopf zu kratzen. Und bei inflammation-preventing compound ist er überzeugt, den Text nicht richtig zu verstehen. Vermeidbar! Die Autoren hätten einfach ein einheitliches Key-Word wie anti-inflammatory compound benutzen müssen.

Fazit: keine unnötigen Variationen im Research Paper

Keine Variationen im wissenschaftlichen Schreiben – haben Sie einmal einen treffenden Schlüsselbegriff gefunden, dann bleiben Sie dabei. Es gibt keinen Grund, für ein Key-Word ein Synonym zu suchen. Das gilt für wissenschaftliche Poster und Research Paper.

Wissenschaftliche Poster

Link amazon

Research Paper

Link amazon

Einen Kommentar schreiben

Ich benötige diese Daten, um Ihren Kommentar bearbeiten zu können. Bitte beachten Sie meine Datenschutzerklärung.

 
Link nach oben
 
 
 

Kontakt

Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

Ringstraße 7
91080 Marloffstein

Tel.: +49 (0) 9131 6103 623
info@nullforschen-schreiben-publizieren.de

Ich benötige diese Daten, um Ihre Anfrage bearbeiten zu können. Bitte beachten Sie meine Datenschutzerklärung.