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Wissenschaftsjargon – lohnt sich nicht

Natürlich: Wer einen wissenschaftlichen Text schreibt, will auch wie ein Wissenschaftler klingen. Eigentlich genügt dafür der wissenschaftliche Inhalt. Denn der Wissenschaftsjargon entlarvt sich selbst.

Wie soll mein wissenschaftliches Manuskript klingen? Hey Wissenschaftler, ich bin einer von euch!

Als Neuling will man zeigen, dass man dazugehört. Deshalb benutzt man Wortwahl und Ausdrucksweise der angestrebten Gruppe als vermeintliches Erkennungszeichen – Teenager tun das, Besucher von Internet-Foren tun das und Wissenschaftler der Geistes- und Naturwissenschaften und besonders auch der Medizin tun das beim Schreiben ihrer wissenschaftlichen Manuskripte auch (in ihren Vorträgen natürlich sowieso). Das gilt für wissenschaftliche Fachartikel (Paper), Übersichtsartikel (Review), Bachelorarbeiten, Doktorarbeiten, wissenschaftliche Poster und, und, und.

Der Jargon im wissenschaftlichen Fachartikel entlarvt sich selbtst.

Jargon & Wahrheit in Wissenschaftstexten

Der Jargon im wissenschaftlichen Manuskript

Zu dumm nur, dass sich die Pseudosprache der Wissenschaft, der Wissenschaftsjargon der Paper und Doktorarbeiten, von selbst entlarvt.

Denn jeder, der in dem Bereich Medizin, Biologie oder Life Science (Biowissenschaften) arbeitet, weiß genau, was dahinter steckt, hinter den vermeintlich wissenschaftlichen Formulierungen der Fachartikel, Doktorarbeiten und Übersichtsartikel. Unzählige Male auf Kongressen gehört und selbst das ein oder andere Mal geschrieben.

Typische Floskeln im Fachartikel

Typischer Satz im Paper oder in der Doktorarbeit: It is well known
  • Wenn Sie schreiben:
    Es ist seit langem bekannt, dass …
  • Dann weiß jeder: Sie hatten einfach keine Lust, für Ihr Paper oder Doktorarbeit nach der Originalreferenz zu suchen.
Typischer Satz in manchem Fachartikel: Typical result of
  • Wenn Sie schreiben:
    Abbildung 4 zeigt das typische Ergebnis von drei unabhängigen …
  • Dann weiß jeder: Abbildung 4 zeigt in Ihrem Paper den einzigen Versuch, der überhaupt geklappt hat.
So endet so mancher Übersichtsartikel oder so manche Doktorarbeit: further studies
  • Wenn Sie schreiben:
    Ein hochinteressantes Gebiet für weiterführende Studien …
  • Dann weiß jeder: Sie verfluchen heute noch Ihren Chef, weil er dieses unsinnige Thema ausgesucht hat.
Weniger im Manuskript, sondern eher im Talk:
  • Wenn Sie schreiben:
    Wir hoffen, dass auf der Grundlage unserer Ergebnisse neue Projekte initiiert werden.
  • Dann weiß jeder, dass Sie denken: Ich geb´s auf. Sollen es doch die anderen machen.
Wissenschaftlicher Speaker auf einem Kongress.

„I quit.“

Fazit: Jargon lohnt sich nicht im Fachartikel

Wie gesagt, er entlarvt sich selbst, der Jargon der Fachartikel und Paper. Also Finger weg und lieber vernünftige Sätze mit Inhalt schreiben. Zum Schluss, für alle, die sich mal so richtig am hochnäsigen Wissenschaftssprech mancher Wissenschaftler ergötzen möchte, hier ein Beispiel, das ich neulich in einem schönen Artikel von Wolf Schneider gelesen habe (Verachten wir den Wissenschaftsjargon; Zeit Online, 2012):

„Die emphatische Standortbezogenheit, die Affirmation von Differenz und der dekonstruktivistische Blick, der explizite Traditionen und implizite Selbstverständlichkeiten als von Interessen gesteuert durchleuchtet, enthalten ein sozialrevolutionäres Potenzial, das auch für identitätspolitische Zwecke nutzbar gemacht werden kann.“

Und wie schreibt man nun Jargon-frei? Steht zum Beispiel im Paper-Protokoll, der Schreibanleitung für biomedizinische Originalartikel.

Wie man einfach und klar schreibt, steht im Paper-Protokoll.

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Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

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