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Sind Native Speaker die besseren Autoren?

In letzter Zeit höre ich häufig, dass Journals eingereichte Paper wegen des englischen Schreibstils ablehnen bzw. die Überarbeitung durch einen Native Speaker verlangen. Aber sind Native Speaker wirklich die besseren Autoren?

Schreiben Native Speaker das bessere Wissenschaftsenglisch?

Ist da was dran, dass Native Speaker das bessere Wissenschaftsenglisch, Scientific English, schreiben? Ich denke: Nicht unbedingt. Denn das Wissenschaftsenglisch der Research Paper, Case Reports und Reviews soll ja – was Satzbau und Wortwahl betrifft – möglichst einfach und klar sein: Im Klartext (plain language) soll es geschrieben werden, damit die Scientific Community weltweit (!) den Text problemlos verstehen und sich ganz auf die wissenschaftlichen Aspekte konzentrieren kann. Plain language – das schaffen viele Non-Natives problemlos und oftmals recht gut.

Auch Non-Natives schreiben oft ein gutes Wissenschaftsenglisch.Vielleicht ist es also gerade umgekehrt: Ein Non-Native ist im Gegensatz zu einem Native Speaker meist gar nicht in der Lage, umständliche und verschachtelte englische Sätze zu formulieren, und sein Wortschatz beschränkt sich auf die im Scientific English gebräuchlichen Worte. Mehr kann er nicht, aber mehr braucht er auch nicht. Denn: einfache Sätze und gebräuchliche Worte – das ist ein klarer Vorteil für den Non-Native Speaker.

Originalartikel und Reviews – keine Fehler erlaubt im Wissenschaftsenglisch!

Andererseits ist klar: Ein eingereichtes Manuskript muss fehlerfrei sein. Grammatik- und Rechtschreibfehler schmälern die Erfolgsaussichten eines Papers immens, da die Reviewer zurecht annehmen, dass jemand, der schludrig mit der Rechtschreibung umgeht, auch schludrig im Labor arbeitet.

Im Wissenschaftsenglisch zu schreiben, schaffen auch Non-Natives ganz gut.Und hier komme ich zurück zu den Native Speakern: Wenn man es nicht schafft, ein verständliches Paper zu verfassen und mithilfe eines Korrekturprogrammes in einen fehlerfreien Zustand zu versetzen, dann sollte man auf die Hilfe eines Native-Speakers zurückgreifen. Der Native-Speaker sollte jedoch vom Fach und mit den Gepflogenheiten des Wissenschaftsenglisch vertraut sein. Die notwendigen Fachbegriffe sollte er kennen.

Paper abgelehnt wegen sprachlicher Mängel?

Kleine Geschichte am Rande: Ich kenne viele Native-speaking Medical Writer, die jedoch in Deutschland leben und arbeiten. Wenn sie also ein Paper einreichen, vermuten die Journals aufgrund der Kontaktdaten des Corresponding Authors einen Non-Native Writer und lehnen das Paper (in letzter Zeit immer häufiger) aufgrund des Schreibstils ab – oder verlangen die Überarbeitung durch einen Native-Speaker. Was Sie jetzt mit dieser Geschichte anfangen sollen? Weiß ich auch nicht.

2 Kommentare

  1. Dr. Oliver Hauss at |

    Die Überarbeitung durch einen „native Speaker“ wird teilweise auch als vorgeschobener Grund zur Ablehnung verwendet.
    Ich habe diese Begründung schon bei Manuskripten gesehen, bei denen die Erstautorin Muttersprachlerin war, aber nicht in der Heimat geforscht hat und nicht anhand ihres Namens eindeutig als Native Speaker identifizierbar war (sie war ziemlich geladen…) aber auch bei einem Paper von chinesisch-sprachigen Autoren, die sich extra einen muttersprachlichen Technical Editor mit MA in englischer Literatur geleistet hatten (war auch in den Acknowledgements erwähnt). Der war nicht minder stinkig…

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