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Tabellen in wissenschaftlichen Publikationen – wie macht man´s besser?

Kein naturwissenschaftliches oder medizinisches Paper, kein Case Report und auch kein Übersichtsartikel kommt ohne sie aus – Tabellen. Eine gute wissenschaftliche Tabelle ist übersichtlich und funktioniert ohne weitere Erklärungen.

Eine schlechte Tabelle ist verwirrend – und mindert die Chancen für das „accepted“. Es gibt also einiges, was man bei den Tabellen einer wissenschaftlichen Arbeit verkehrt machen kann – und es gibt einiges, was man optimieren kann.

Ich fange mal bei den Dingen an, die man in einem wissenschaftlichen Manuskript auf jeden Fall vermeiden sollte.

Formatierungswahnsinn im Manuskript

Eine Tabelle gestalten zu wollen, ohne das entsprechende Tabellen-Tool von Word zu benutzen – das ist wohl der größte Fehler, den man bei einer wissenschaftlichen Tabelle machen kann.

Diese wissenschaftliche Tabelle ist ungeschickt, da sie in Words mithilfe von Tabs und Leerzeichen gestaltet wurde.

Abb. 1. Eine Tabelle aus Tabs und Leerzeichen.

Denn wenn man in seinem Manuskript die Spalten mithilfe von Tabulatoren und Leerzeichen erzeugt, erlebt man bei der kleinsten Veränderung der Schriftgröße oder des Schriftbildes sein blaues Wunder: Sämtliche Daten verschieben sich. Dort wo Klarheit und Ordnung herrschen sollte, herrscht das reinste Chaos (Abb. 1). Keine gute Idee, aber ein tatsächlich nicht so seltener Fehler.

Diese Tabelle ist ungeschickt, weil sie ein Gitternetzmuster hat.

Abb. 2. Gitternetzmuster sehen nicht gut aus.

Ein weiterer Fehler aus der Kategorie Formatierungswahnsinn: Tabellen aus Excel nach Word zu kopieren und dabei das Gittermuster des Excel-Arbeitsblattes zu übernehmen (Abb. 2). Das sieht unprofessionell aus und entspricht nicht dem wissenschaftlichen Standard, der lediglich horizontale Linien vorsieht: am oberen und unteren Rand der Tabelle und unterhalb der Spaltenbeschriftungen.

Klare und informative Titel

Wie auch eine Abbildung benötigt in einem Manuskript auch die Tabelle einen klaren Titel, der dem Leser die wichtigsten Informationen verrät: die unabhängige Variable, die abhängige Variable und die Spezies oder Population, die man untersucht hat.

Die unabhängige Variable – das sind die Wirkstoffe, die verabreicht wurden (bzw. eine andere Behandlung). Die zweite Variable hängt von der ersten ab: Sie beschreibt das, was gemessen wurde (also der Effekt der ersten auf die zweite Variable):

  • Effekt von Medikament XY auf die Pulsfrequenz von Schafen.

Im Gegensatz zu einer Abbildung gibt es bei Tabellen keine Legende. Stattdessen stehen alle Erklärungen, die zum Verständnis außerdem notwendig sind, als Fußnote unterhalb der Tabelle (Bsp.: *p<0,05).

Klare und informative Beschriftungen

In dem zweiten Beispiel (Abb. 2) verrät uns der Titel zumindest, dass in dem Experiment die Pulsfrequenz von Schafen gemessen wurde. Wir haben also eine ungefähre Ahnung, was die Zahlen bedeuten: vermutlich Schläge / Minute.

Um jedoch zu erfahren, wie genau die Kontrollgruppe sowie die Gruppen 1 und 2 behandelt wurden, muss der Leser im Abschnitt Material und Methoden nachschlagen. Ungünstig, wird doch dadurch der Lesefluss komplett unterbrochen. Sagen wir doch dem Leser einfach, welche Dosen des Medikamentes XY die Gruppen erhalten haben: 0 mg, 3 mg, 6 mg.

Wissenschaftliche Einheiten und Stichprobenumfang

Nun sind wir zwar auf der Zielgeraden. „Wissenschaftlich“ ist unsere Tabelle jedoch noch nicht. Können wir davon ausgehen, dass die einzelnen Gruppen nicht nur aus jeweils einem Individuum bestanden?

Vermutlich! Daher benötigen wir noch folgende Angaben: Wie groß war der Stichprobenumfang jeder der drei Gruppen? Handelt es sich bei den genannten Werten um den Mittelwert oder vielleicht den Median (Link: Mittelwert vs. Median)? Und wenn die Werte den Mittelwert oder Median darstellen – was ist dann mit der Standardabweichung oder dem mittleren Fehler?

Hier nun die optimierte Variante (Abb. 3) – ist sie wirklich optimal?[1]

Eine wissenschaftliche Tabelle, die sich für eine Publikation eignet.

Abb. 3. Wissenschaftliche Tabelle.

Zusammenfassung

  • Eine wissenschaftliche Tabelle hat horizontale Linien: oben, unten und nach der Spaltenbeschriftung.
  • Eine wissenschaftliche Tabelle hat einen informativen Titel: Tabellennummer, Variablen (verabreicht, gemessen), Spezies oder Population.
  • Eine wissenschaftliche Tabelle besitzt informative Spalten- und Zeilenbeschriftungen (3 mg und 6 mg sind besser als Gruppe 1 und Gruppe 2).
  • Eine wissenschaftliche Tabelle hat eindeutige Werte (Mean oder Median, SD oder SEM).
  • Eine wissenschaftliche Tabelle kann man verstehen ohne im Methoden-Abschnitt nachschlagen zu müssen (Erklärungen als Fußnote; z.B. p<0.05).

[1] Die Frage ist durchaus ernst gemeint – schreiben Sie mir doch einen Kommentar, wenn Ihnen etwas auffällt oder Ihnen etwas nicht gefällt.

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Was es sonst noch beim Schreiben eines Research Papers zu beachten gibt, finden Sie entweder hier im Blog oder in „Das Paper-Protokoll“.

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