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Die Wahl des richtigen Fachjournals – das sollten Sie beachten

Keine einfache Sache beim wissenschaftlichen Publizieren – die Wahl des richtigen Fachjournals. Man sollte sich weder auf sein Bauchgefühl noch auf seine Kollegen verlassen, sondern analytisch vorgehen – hier ein paar wichtige Aspekte, die es zu bedenken gilt.

Die Wahl des Journals für Ihr Paper – nicht nach Bauchgefühl!

Die Studie abgeschlossen, alle Experimente erfolgreich – aber welches Journal ist denn nun das richtige für mich? Die passende Fachzeitschrift nach Bauchgefühl auszuwählen ist keine gute Idee. Auch Teamkollegen und Ko-Autoren mögen hilfreiche Ratschläge geben können – doch oftmals widersprechen sich ihre Tipps und man ist genauso klug wie vorher.

Objektive Kriterien für die Wahl des Fachjournals

Was wir also brauchen sind objektive Kriterien, um für ein spezifisches Forschungsprojekt das exakt passende Zieljournal auszuwählen. Sehen Sie sich daher die folgende Kriterien einmal in Ruhe an – und treffen Sie dann eine fundierte Entscheidung.

Das Fachjournal: Was passt zum Paper?

Altehrwürdig oder hochmodern

Handelt es sich um ein altehrwürdiges oder neu aufgelegtes Journal? In einer relativ neu aufgelegten und thematisch hochspezialisierten Fachzeitschrift mögen die Publikationschancen vielleicht etwas besser sein. Die etablierten und altehrwürdigen Journale haben dagegen eine höhere Auflage und sind in den meisten universitären Bibliotheken zu finden. Ihre Verbreitung ist also ungleich größer, Sie erreichen ein größeres Publikum.

Andererseits legen Sie vielleicht auf die größtmögliche Verbreitung gar keinen so großen Wert und Sie möchten eher die Spezialisten auf Ihrem Gebiet erreichen. Wenn Sie ein spezialisiertes Journal auswählen möchten, dann achten Sie auf zwei Dinge: Wählen Sie wenn möglich ein internationales Journal und keine regional begrenzte Zeitschrift. Sehen Sie sich außerdem das Editorial Board an und recherchieren Sie, ob dessen Mitglieder wenigstens zum Teil noch aktive Wissenschaftler sind.

Scope

Informieren Sie sich über die Ausrichtung des Journals, ob es sich auf klinische, angewandte Forschung oder grundlagenorientierte Arbeiten konzentriert, ob es breit aufgestellt ist oder sich nur mit einem eng begrenzten Indikationsspektrum beschäftigt. Recherchieren Sie außerdem, ob in diesem Journal bereits Arbeiten veröffentlicht wurden, die thematisch zu ihrem Forschungsgebiet passen.

Open Access

Wer eine größtmögliche Verbreitung seiner wissenschaftlichen Daten anstrebt, wird sich wahrscheinlich für ein Open Access Journal interessieren. Informieren Sie sich in diesem Fall zu den Konditionen bzw. zu den Kosten einer Opern Access Publikation. [Erklärung Open Access; BMBF-Link]

Manuskript: Umfang

In einigen Journalen ist der Umfang der Originalartikel und Reviews stark reglementiert. Während einige Fachzeitschriften für Originalartikel 4.500 Wörter erlauben – und für Übersichtsartikel entsprechend mehr –, ist bei anderen Fachzeitschriften der erlaubte Umfang deutlich geringer. So ist manchmal die maximal zulässige Wortzahl sogar bei Übersichtsartikeln auf 2.500 beschränkt.

Der Begutachtungsprozess des Manuskripts

Rejection Rate des Journals

Eine entscheidende Frage: Wie hoch ist die Ablehnungsquote? Eine sehr hohe Ablehnungsquote bedeutet, dass Sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit viel Zeit und Arbeit in den Sand setzen werden. Eine sehr geringe Ablehnungsquote heißt, dass das Journal noch sehr unbekannt ist, weil dort offensichtlich nur sehr wenige Manuskripte überhaupt eingereicht werden. Für Autoren und Autorinnen ist eine mittlere Ablehnungsquote wahrscheinlich genau richtig.

Dauer bis zur Publikation Ihres Papers

Eine weitere Frage, die für Sie natürlich auch von einem gewissen Interesse ist: Wie lange dauert der gesamte Begutachtungsprozess? Je kürzer desto besser, klar. Auch wichtig: Wie lange dauert es von der (erfolgreichen) Begutachtung bis zur Publikation [Übersicht Peer-review]? Die Frage, wie lange es dauert, ein Paper zu schreiben, habe ich unlängst in einem Beitrag behandelt (Paper schreiben: Wie lange dauert das?).

Anonymität der Begutachtung

Entscheidungsbaum zur Wahl des richtigen Fachjournals bei einer wissenschaftlichen Publikation.

Abb. Entscheidungshilfe bei der Journal-Wahl.

Ist der Review-Prozess verblindet oder wissen die Gutachter, wer Sie sind? Auch diese Frage ist nicht uninteressant. Bei manchen Journalen kennen weder die Herausgeber noch die Reviewer Ihre Identität, bei anderen sind Sie nur für die Gutachter anonym. Umgekehrt wissen auch die Autoren nur selten, wer Ihre Gutachter sind. Ich halte die vollständige Anonymität im Begutachtungsprozess für einen großen Vorteil. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass sich namentlich bekannte Gutachter intensiver und manchmal auch fairer mit einem Manuskript auseinander setzen. [hierzu: Morse JM. 2014. Why we blind: anonymity in the review process. Qual Health Res.24(11):1467-8. (PubMed-Link)].

Impact des Journals

Der berühmte Impact Factor ist sicherlich kein Maß für die wissenschaftliche Qualität eines Journals. Er sagt lediglich etwas darüber aus, wie oft es in den letzten zwei bzw. fünf Jahren zitiert wurde. Aus diesem Grund wurden andere Scores eingeführt (H-Index; Median h score). Und dennoch: Alle achten auf den Impact Factor. Bei der Wahl seines Zieljournals kann man sich also nicht vollständig davon freimachen, denn der Impact Factor ist eine einfache und schnelle Möglichkeit, Fachjournale zu vergleichen (Journal-Liste und IF).

Fazit

Diese einzelnen Aspekte müssen Sie nun gewichten und priorisieren und sich vielleicht einen Entscheidungsbaum erstellen, der Ihnen bei der Wahl des richtigen Fachjournals hilft (Abbildung). Nach Jahren der Forschung und Wochen des Schreibens – gönnen Sie sich für diese wichtige Entscheidung ausreichend Zeit.

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