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Wissenschaftliche Sätze formulieren: von Topic nach Stress

Wenn Sie ein wissenschaftliches Manuskript schreiben, dann wollen Sie, dass der Leser Ihren Gedankengänge möglichst leicht folgen kann. Das gelingt, wenn der Leser bereits am Satzanfang erfährt, wie der Hase läuft. Wie man das schafft? Sie beginnen einen Satz mit einer wegweisenden Information.

Topic- und Stress-Position in den Sätzen Ihres Manuskripts

Topic – Erwartungen am Satzanfang

Der Satzanfang ist die Topic-Position. Ihre Funktion: Sie soll den Leser orientieren. Stehen am Satzanfang bekannte Informationen oder auch Signalwörter, die den Zusammenhang zum Vorausgegangenen herstellen, weiß der Leser, was ihn erwartet – Informationen, die erwartet werden, werden leichter verstanden.

  • In untreated patients, blood pressure increased. Orientierung am Satzanfang: Wer ist betroffen?
  • However, heart rate remained stable. Orientierung am Satzanfang: Gegensatz (zu increased).

Stress – Spannendes am Satzende

Was gehört an das Satzende? Die neue Information, das Wichtige, etwas, das Sie betonen möchten (to stress).

  • Bears eat salmon in early summer. Betonung: Zeitpunkt Frühsommer
  • In early summer, bears eat salmon. Betonung: Speiseplan (Lachse).

In den Sätzen einer wissenschaftlichen Publikation sollte der Satzanfang Orientierung bieten. Am Satzende steht die neue Information.

Wie funktioniert das nun konkret? Hier einige Beispiele.

Bekanntes am Satzanfang, Neues am Satzende

Cyclin D1 is a key regulator of the G1-phase of the cell cycle. During G1, cyclin D1 binds to cyclin dependent kinase 4 (Cdk4). Cdk4-cyclin D1 complexes translocate into the nucleus and phosphorylate the tumor suppressor protein pRB, leading to the release of free E2F-1. E2F-1 is a transcription factor …

Cyclin D1 – das ist das Thema des ersten Satzes. An seinem Ende wird eine neue Information präsentiert: CDK4. Diese nunmehr bekannte Info leitet nun den nächsten Satz ein, der eine Kette von Ereignissen beschreibt, die schließlich mit der Freisetzung von E2F enden. Mit E2F beginnt nun wiederum der Folgesatz … So geht es weiter bis die Geschichte zu Ende erzählt ist. Die Sätze sind also von alt nach neu formuliert, der rote Faden des Manuskripts ist für den Leser deutlich sichtbar.

In einer wissenschaftlichen Publikation lassen sich Signalwege oder chemische Reaktionsfolgen gut von alt nach neu formulieren. Am Satzanfang wird jeweils die Information vom Ende des vorausgegangenen Satzes aufgegriffen (Beispiel aus dem Paper-Protokoll).

Zeitliche Signale am Satzanfang – Beispiel aus einer klinischen Publikation

Die randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte die GT5HC Expression gesunder Probanden über einen Zeitraum von zwei Wochen. Eine Woche nach Studienbeginn stieg die GT5HC Expression 5 -fach, weshalb eine zeitweise Behandlung mit GT5HC- Inhibitoren notwendig wurde. Zwei Wochen nach Studienbeginn sank die GT5HC Expression wieder auf den physiologischen Wert.

In dieser klinischen Publikation beginnt dieser Abschnitt aus dem Ergebnisteil mit dem Wort Studie – eine zuverlässige Ankündigung klinischer Daten. Am Ende des ersten Satzes platzierte Autor die Information, die für den weiteren Abschnitt wichtig ist: Es geht um den zeitlichen Verlauf.

Indem er den nun bekannten Zeitfaktor jeweils an den Anfang der folgenden Sätze stellt (eine Woche und zwei Wochen nach), bietet er dem Leser maximale Orientierung. Wie auf einer Zeitachse kann er dem Text folgen und erfährt jeweils am Satzende das, was von Bedeutung ist: Die unterschiedlichen Expressionswerte des GT5HC-Markers.

Wissenschaftliches Manuskript: Signalwörter am Satzanfang bieten größtmögliche Orientierung.

Auch für Tabellen: erst die Orientierung, dann die Fakten

Was passiert, wenn man von dieser Regel abweicht und Topic und Stress Position vertauscht? Dies verdeutlicht das Beispiel einer wissenschaftlichen Tabelle. Auch bei Tabellen ist das Prinzip „zuerst die Orientierung, dann die Fakten“ sehr wichtig.


Nicht einfach zu verstehen? Ganz bestimmt, denn es fehlt der Überblick. Die Werte dieser Tabelle prasseln auf den Leser ein. Er müsste sie erst sortieren. Bei einer wissenschaftlichen Tabelle ist es wie beim Satzbau: erst Orientierung, dann die Fakten:

Fazit

Der Leser muss zuerst wissen, wo er eine neue Information einordnen soll. Das verbessert den Lesefluss – und das Manuskript kommt besser an.

Wie man Satzanfänge gezielt im Schreibprozess einsetzt, erfahren Sie auch im »Paper-Protokoll«:

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