Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

RT, AMN-5, 15d3 – die Abkürzungen in wissenschaftlichen Texten

Liebe Autoren, Euch ist sonnenklar, was Ihr mit „RT“ meint. Deswegen habt Ihr auch die Abkürzung in Eurem Paper nicht erklärt. Weder im Abstract, noch im Artikel. Irgendwann konnte ich mir erschließen, dass Ihr „radiotherapy“ und nicht „room temperature“ meintet. Aber es war zu spät: Ich hatte keine Lust mehr, weiterzulesen.

Werden Abkürzungen in einem wissenschaftlichen Text nicht richtig eingeführt, dann kann das böse Konsequenzen haben:

Wie viele Abkürzungen sind in wissenschaftlichen Texten erlaubt?Leser, die nicht zum engsten Kreis der Spezialisten eines Fachgebietes zählen, werden ausgeschlossen – sie blicken angesichts der vielen Abkürzungen einfach nicht mehr durch. Eine Diskussion über die Fachgrenzen hinweg wird unmöglich, der Blick über den Tellerrand auch. Nicht gut für die Wissenschaft.

Außerdem spricht, mit Verlaub, aus der stoffeligen Verwendung unerklärter Abkürzungen eine gewisse Arroganz. „Wer nicht vom Fach ist, den geht das auch nichts an.“ Ich dachte, so etwas gibt es nur in Internet-Foren, aber nicht in der Wissenschaft – weit gefehlt. Ich finde das nicht gut.

Deswegen, einfach mal zur Erinnerung, die Regeln zur Verwendung von Abkürzungen beim wissenschaftlichen Schreiben, die mir im Augenblick einfallen:

Generelle Regeln zu Abkürzungen im wissenschaftlichen Schreiben

  • Beim wissenschaftlichen Schreiben müssen Abkürzungen ohne Wenn und Aber eingeführt werden – und zwar bei der ersten Verwendung des entsprechenden Begriffs. Zuerst wird der Begriff ausgeschrieben. Die Abkürzung folgt in Klammern: regulatory T-cells (Tregs).
  • Einmal eingeführt, benutzt man in seinem wissenschaftlichen Text nur noch die Abkürzung, außer … siehe nächsten Abschnitt.

Abkürzungen im Abstract, in Abbildungen und in Tabellen?

  • Eine Abkürzung, die in dem Abstract eingeführt und verwendet wurde, muss im folgenden Text erneut eingeführt werden. Abstract und Text gelten bibliografisch als eigenständig. Ist einfach so.
  • Abbildungen und Tabellen gelten als „Stand alone“, Sie müssen mit den dazugehörigen Legenden verständlich sein. Daher müssen die Legenden alle Abkürzungen erklären, die in einer Abbildung oder Tabelle verwendet wurden.

Abkürzungen im Titel?

Hier scheiden sich die Geister – es hängt vom Journal ab:

  • Einige Journals möchten generell keine Abkürzungen im Titel eines wissenschaftlichen Artikels.
  • Andere Journals gestatten nur eine begrenzte Auswahl bekannter und etablierter Abkürzungen im Titel.

Überhaupt: Wie viele Abkürzungen dürfen es sein?

  • Beim wissenschaftlichen Schreiben muss man nicht jeden Fachbegriff abkürzen, sondern nur wenn er sehr häufig (mehr als 10-mal) vorkommt oder wenn der ausgeschriebene Begriff sehr schwer lesbar ist (dann auch bei nur 3- bis 4-mal). Bei chemischen Verbindungen ist das oft so: Fluorescein isothiocyanate (FITC).
  • In diesem Zusammenhang: Auch ein Übermaß an Abkürzungen kann den Lesefluss in einem Paper oder in einer Doktorarbeit behindern: The Q2L subpopulation of CD8 positive MGCs was CR-labeled and detected by FBM imaging.

Wie kürzt man im Plural ab?

  • Führen Sie in Ihrem Paper einen Begriff in der Einzahl ein (mesangial glomerular cell [MGC]), sollten Sie bei der Mehrzahl ein „s“ anhängen: MGCs.
  • Haben Sie jedoch bereits die Mehrzahl eingeführt (infectious diseases [ID]), dann können Sie sich das „s“ sparen.

Abkürzungen in Wissenschaftstexten.Man kann diese Regeln aber auch ganz einfach auf den Punkt bringen: Auch beim wissenschaftlichen Schreiben, sollte man an seinen Leser denken. Es mag Dinge geben, die Ihnen sonnenklar erscheinen – Ihrem Leser jedoch noch lange nicht.

Einen Kommentar schreiben

 
Link nach oben