Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Show, don’t tell in der Wissenschaft

Noch nie etwas gehört von der Schreibregel „Show, don’t tell“? Das liegt daran, dass Sie keine fesselnden Kurzgeschichten oder tiefgründige Romane verfassen, sondern trockene Wissenschaftstexte. Wobei… Wissenschaftstexte müssen gar nicht trocken sein. Nicht, wenn man etwas beschreibt und nicht nur berichtet – show, don’t tell.

Show, don’t tell im Roman oder in der Kurzgeschichte

Schreibregel Show don´t tell auch für WissenschaftstexteAutoren und Autorinnen von Kurzgeschichten und Romanen wissen es: Damit Texte vom Leser möglichst gut, also emotional aufgenommen werden können, darf man nicht nur berichten (Tell), was passiert. Man muss es beschreiben: Show, don’t tell.

Wenn man also zum Beispiel berichtet, dass jemand Angst hat, dann ist das nicht sehr intensiv. Beschreibt man dagegen, was derjenige tut, dann schon:

Tell: „Sie war eine ängstliche Frau.“

Show: „Mehrmals täglich kontrollierte sie Türen und Fenster, denn sie fürchtete, die Dinge, von denen sie jeden Tag in der Zeitung las, könnten ihr passieren.“ (H. Mankell)

Show, don’t tell im Scientific Writing (Paper oder Doktorarbeit): Zeigen Sie, was die Zahlen bedeuten

So weit, so gut – aber was bringt uns das Ganze nun beim wissenschaftlichen Schreiben? Eine ganze Menge: Wenn Daten und Studienergebnisse einfach nur berichtet werden, ist das auch für den Leser eines Research Papers oder einer Doktorarbeit wenig eindrucksvoll. Spannend werden Forschungsergebnisse erst, wenn man beschreibt, was sie bedeuten.

Beispiel 1: Studienergebnisse

  • Tell
    Von den 261 Drug X behandelten Patienten hatten 96 Infektionen und 18 eine periphere Neuropathie. Von den 245 Drug Y behandelten Patienten hatten 127 Infektionen und 73 eine periphere Neuropathie.
  • Show
    Drug X wurde besser als Drug Y vertragen, da weniger Infektionen (96 vs. 127) und weniger periphere Neuropathien (18 vs. 73) auftraten.

Beispiel 2: Forschungsergebnisse

  • Tell
    Die Häufigkeit unerwünschter Nebenwirkungen betrug bei Megacontrast 7,9%. Wurde ein herkömmliches Kontrastmittel eingesetzt, betrug die Häufigkeit 23,7%.
  • Show
    Im Vergleich zu einem herkömmlichen Kontrastmittel reduzierte Megacontrast die Häufigkeit unerwünschter Nebenwirkungen von 23,7% auf 7,9%.
  • Show plus
    Im Vergleich zu einem herkömmlichen Kontrastmittel reduzierte Megacontrast die Häufigkeit unerwünschter Nebenwirkungen um den Faktor 3 (23,7% vs. 7,9%).

Fazit

  • Erst durch den Vergleich der Zahlen wird aus dem puren Berichten von Daten das Beschreiben von Forschungsergebnissen: „besser vertragen als“ und „reduzierte“. Die „Show“-Variante arbeitet also mit anschaulichen Verben, die „Tell“-Variante dagegen mit eher abstrakten Verben (hatten, betrug).
  • Kleinere Zahlen können einen Sachverhalt bildlicher darstellen („Faktor 3“) als größere – das menschliche Vorstellungsvermögen kann sich eben nur bis zu 6 Äpfel bildlich vorstellen, 21 Äpfel jedoch nicht mehr.

Mehr zu diesem und anderen Themen finden Sie natürlich auch im „Paper-Protokoll“ oder in meinen Büchern zur medizinischen Doktorarbeit oder zu wissenschaftlichen Postern.

Schreibratgeber Doktorarbeit Medizin

Link amazon

Schreibratgeber biomedizinische Originalartikel

Link amazon

Ratgeber wissenschaftliche Poster

Link amazon

Einen Kommentar schreiben

Ich benötige diese Daten, um Ihren Kommentar bearbeiten zu können. Bitte beachten Sie meine Datenschutzerklärung.

 
Link nach oben
 
 
 

Kontakt

Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

Ringstraße 7
91080 Marloffstein

Tel.: +49 (0) 9131 6103 623
info@nullforschen-schreiben-publizieren.de

Ich benötige diese Daten, um Ihre Anfrage bearbeiten zu können. Bitte beachten Sie meine Datenschutzerklärung.