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Vermeidbare Fehler im wissenschaftlichen Schreiben

Als Medical Writer schreibe ich wissenschaftliche Texte. Gelegentlich bekomme ich auch den Auftrag, ein Manuskript zu überarbeiten – inhaltlich und stilistisch, damit der Text vom Leser möglichst gut verstanden wird und möglichst gut ankommt. Bei solchen Aufträgen stoße ich oft auf vermeidbare Fehler.

Vermeidbare Fehler im wissenschaftlichen Schreiben

Wer ein wissenschaftliches Manuskript verfasst, macht hier und da Fehler. Das ist ganz normal und passiert auch den Profis. Wer noch nicht so geübt im wissenschaftlichen Schreiben ist, macht vielleicht ein paar Fehler mehr – auch kein Problem, solange man seine Fehler noch vor der Submission seines Papers oder der Abgabe seiner Doktorarbeit korrigiert. Bleiben die Fehler aber stehen, schmälert das die Erfolgsaussichten des Manuskripts beträchtlich. Vor allem, wenn es leicht zu vermeidende Fehler sind.

Fünf Dinge, auf die man  bei seinem Manuskript achten sollte

[1] Rechtschreibfehler im Manuskript

Rechtschreibfehler sind offensichtliche Fehler – sie fallen auf, sie springen dem Leser direkt ins Auge. Intuitiv vermutet der Leser hinter den Rechtschreibfehlern eine schludrige Arbeitsweise des Autors oder der Autorin. Er denkt: Wer so nachlässig mit der Rechtschreibung umgeht, hat auch nachlässig im Labor gearbeitet.

Angesichts der Existenz von Rechtschreibkorrekturprogrammen finde ich es immer wieder erstaunlich, wie viele Fehler ich schon auf der ersten Seite eines Manuskripts finde. Ebenso erstaunlich ist es, wie leichtfertig einige Autoren und Autorinnen die Hinweise Ihres Wunsch-Journals ignorieren. Denn wenn dort die britische Schreibweise verlangt wird, das Manuskript jedoch durchgängig im amerikanischen Englisch verfasst ist, dann macht das einen schlechten Eindruck. Rechtschreibfehler sind vermeidbare Fehler.

To be done:

  • Mindestens zwei Korrekturläufe: softwarebasierte Korrektur & manuelles Proofreading des Manuskripts
  • Instructions to authors: einmal komplett durchlesen und Check-Liste erstellen

[2] Satzlänge im Manuskript

Die Satzlänge ist ein altes, ein sehr altes Thema. Jeder Schreibratgeber rät eindringlich, sich kurz zu fassen und prägnante Sätze zu schreiben – oft aber ohne Erfolg. Ein wissenschaftliches Manuskript, das auch nur ein paar unverständliche Satzmonster enthält, langweilt im besten Fall seine Leser – oder es frustriert und ärgert sie. In jedem Fall ist es unwahrscheinlich, dass die wissenschaftliche Message, die Story beim Leser ankommt. Monstersätze – auch ein vermeidbarer Fehler im Manuskript.

To be done:

  • Satzmonster aufspüren: durch eine Korrektursoftware oder mithilfe von Testlesern

[3] Abbildungen im Manuskript

Die Abbildungen des Ergebnisteils eines Research Papers oder einer Doktorarbeit sind das Kernstück eines jeden Forschungsprojektes. Erstaunlich daher, wie stiefmütterlich diese wichtige Komponente eines wissenschaftlichen Manuskripts behandelt wird. Tortendiagramme in den Original Excel Farben oder Balkendiagramme mit überflüssigen horizontalen Linien oder einem Rahmen außen herum – all das sieht wenig professionell aus. Ein weiteres häufiges Problem: Für Achsenbeschriftungen und Legenden wurde eine zu kleine Schriftgröße gewählt, sodass die Abbildung in ihrer gedruckten Form (kleiner als auf dem Bildschirm) nur noch mit Lupe betrachtet werden kann.

To be done:

  • Abbildungen grundsätzlich vor der Submission optimieren

Diagramme sollten stets nachbearbeitet werden.[4] Tabellen im Manuskript

Was für die Abbildungen im Manuskript gilt, gilt leider ebenso für Tabellen. Bitte: Wenn Sie eine Tabelle erstellen wollen, benutzen Sie in Word das entsprechende Tool und versuchen Sie es nicht mithilfe der Leer- oder Tabtaste. Beschriften Sie Ihre Tabelle so, dass der Leser alles Wichtige auf einen Blick erfasst. Schreiben Sie in den Spaltentitel also nicht einfach nur „Kontrolle“ und „Test“, sondern beschreiben Sie den Kontroll- und Testansatz – zum Beispiel „0 mM NaCl“ und „150 mM NaCl“. Ebenso ist es in Tabellen oftmals sehr verwirrend, wenn die Messergebnisse eines einzigen Versuches unterschiedlich viele Nachkommastellen enthalten: 24,35 mM – 26,1 mM – 28,9 mM – 25 mM.

To be done:

  • Auch Tabellen eines Manuskripts sollten für sich allein betrachtet aussagekräftig sein – immer optimieren

[5] Wissenschaftskonventionen

Wer sich schon öfters in meinem Blog umgesehen hat, weiß, dass ich kein Anhänger von starren Regeln und Konventionen bin. Und dennoch: Es gibt einfach Regeln, die man befolgen sollte, um bei den Gutachtern eines Fachjournals einfach besser anzukommen.

To be done:

  • Abkürzungen müssen bei ihrer ersten Verwendung definiert werden: Das Wort wird zunächst ausgeschrieben und die Abkürzung dahinter in Klammern gesetzt. Ab dieser Stelle wird im Manuskript nur noch die Abkürzung verwendet.
  • Zwischen einer Zahl und der wissenschaftlichen Einheit sowie vor dem Prozentzeichen gehört in einem wissenschaftlichen Manuskript ein Leerzeichen.
  • Auch zwischen mathematischen Operatoren wie „±“, „=“ oder „<“ gehört ein Leerzeichen: p < 0,05. Jedoch folgt nicht jedes Fachjournal dieser Regel. Daher ist es sinnvoll, sich einfach ein paar Artikel seines Ziehjournals anzusehen.

Fazit

Fehlerfreie, kurze Sätze und klare Abbildungen und Tabellen – unglaublich, wie leicht man seine Chancen auf ein „accepted“ – oder auf eine gute Note – verbessern kann.

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Eine Checkliste zur finalen Paper-Korrektur gibt es übrigens auch im Paper-Protokoll:

  • Substanzielle Korrekur im wissenschaftlichen Manuskript
  • Technische Korrektur im wissenschaftlichen Manuskript
  • Manuelles Proofreading im wissenschaftlichen Manuskript

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Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

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