Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Wann schreibt man ein wissenschaftliches Paper?

Experimente fertig, Statistik im Kasten, Daten interpretiert ‒ nun kann es losgehen: Das Paper wird geschrieben, von den Koautoren bearbeitet, eingereicht und publiziert. Das ist der klassische Weg, den ich auch so empfehlen würde. Aber gibt es Alternativen?

Der Klassiker: forschen, schreiben und dann publizieren

Die Story des Papers oder der Doktorarbeit

Ich finde, es macht schon Sinn, dass man mit der Schreibarbeit an seinem wissenschaftlichen Paper erst dann beginnt, wenn alle Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Denn so kann man am besten die Story seines Papers oder seiner Doktorarbeit planen und skizzieren – und eine Story braucht man, um ein gutes Paper schreiben zu können.

Planung der wissenschaftlichen Story (Paper, Doktorarbeit)

Die Planung der wissenschaftlichen Story sollte mit der Frage ([1]) beginnen, zu deren Beantwortung Daten erhoben und ausgewertet wurden (Forschungsergebnisse [2]). Dann folgt die Antwort ([3]). Aus dieser Drei-Schritt-Argumentation aus Frage-Ergebnisse-Antwort entwickelt sich dann der Rest: Der Hintergrund [4], der die Frage begründet, die eingesetzten Methoden [5] und die Einordnung in den größeren wissenschaftlichen Kontext (Schlussfolgerung und Ausblick [6]). Diese Eckpunkte bilden das Konzept eines Papers.

Im Kern stehen beim Forschen-Schreiben-Publizieren-Ansatz die Ergebnisse. Sie braucht man, um beginnen zu können.

  • Hintergrund [4]
  • Frage ← [1]
  • Methode [5]
  • Forschungsergebnisse ← [2]
  • Antwort ← [3]
  • Ausblick [6]

Der andere Weg: Erst schreiben, dann forschen?

Klingt zunächst unsinnig, aber man kann es ja einmal gedanklich durchspielen: Man schreibt also einen Paper-Entwurf, der noch keine Daten, sondern die geplanten Experimente (mit den vermuteten Forschungsergebnissen) enthält. So kann man vor der eigentlichen Forschungsarbeit die Story skizzieren und sich im Labor besser fokussieren – nämlich auf die für das Paper oder die Doktorarbeit notwendigen Versuche.

  • Vorteil: Eine solche vorab geschriebene Projektskizze sagt Ihnen genau, welche Experimente Sie benötigen. Sie können also sehr zielorientiert arbeiten.
  • Nachteil: Sie haben sich auf eine Story festgelegt und können nicht mehr ergebnisoffen forschen. Die Gefahr besteht, Forschungsergebnisse zu leugnen oder kleinzureden, die nicht in Ihr Bild passen. Bias-Gefahr. Nicht gut.

Projektskizzen kontinuierlich anpassen

Erst die Projektskizze, dann forschen, schreiben und schließlich publizieren.Aber: Wenn Sie ein geplantes Forschungsprojekt in einer Projektskizze entwerfen, dann arbeiten Sie ja nicht mit einem Meißel und einem Steinquader. Mit der sich ändernder Datenlage können Sie Ihre Projektskizze fortlaufend anpassen.

Dennoch profitieren Sie von ihr, da Sie sich auf die Experimente konzentrieren können, die Sie benötigen, um später eine runde wissenschaftliche Story schreiben zu können. Vielleicht eine gute Möglichkeit, den Publikationsoutput zu steigern.

Viel publizieren, aber ergebnisoffen forschen

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Steht beispielsweise das Ende einer Förderperiode bevor, ist es sinnvoll und verständlich, sich ganz auf die Publikationstätigkeit zu konzentrieren.

Ist der neue Antrag dann aber durch, sollte man den Blick wieder weiten, ergebnisoffen forschen und unvoreingenommen an die Dinge herangehen.

Übrigens: Generell ist strukturiertes Arbeiten Voraussetzung für einen hohen Publikationsoutput. Strukturiertes Arbeiten behandelt das »Paper-Protokoll« im Detail. Es strukturiert den Schreibprozess in vier Phasen, die separat absolviert und kontrolliert werden können.

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Dr. rer. nat. Stefan Lang
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Ringstraße 7
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