Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Wissenschaftliches Publizieren in definierten Schreibphasen

Ein Haus bauen, die Welt bereisen oder eine wissenschaftliche Arbeit publizieren – das klappt am besten, indem man nicht einfach loslegt, sondern sein Projekt plant und in definierten Phasen und Arbeitsschritten bearbeitet.

Bei allen größeren Projekten müssen wir von Beginn an das große Ganze im Blick behalten: Man kann kein Haus bauen, indem man einfach Wände hochzieht und sich erst anschließend überlegt, wo Türen und Fenster sein sollen. Und man kann nicht auf Reisen gehen, ohne sein Ziel und die wichtigsten Etappen festzulegen (man kann sich natürlich treiben lassen, das ist herrlich, aber welches Ziel man so erreicht, bleibt ungewiss).

Wissenschaftliches Publizieren in vier Schreibphasen

Schreibphase 1: Das Konzept und die Eckpunkte einer Publikation

So ist es auch beim wissenschaftlichen Publizieren, beim Schreiben eines Research Papers oder einer Doktorarbeit. Ohne ein Ziel schreibt man etwa so ungerichtet wie die Brownsche Molekularbewegung und man muss hinterher sein Manuskript mühevoll umschreiben, um etwas wirklich Publikationswürdiges zu erhalten. Was ist das „Ziel“ einer wissenschaftlichen Arbeit? Es wird durch folgende Koordinaten definiert:

  • Hintergrund: 1–2 Sätze, um was es in der Arbeit geht (Relevanz der Studie)
  • Fragestellung: 1 Satz zur Hypothese (we therefore asked if)
  • Methodik: 1 Satz zum experimentellen Ansatz (To test this hypothesis we…)
  • Ergebnisse: je 1 Satz zu den wichtigsten Ergebnissen (We found…)
  • Antwort: 1 Satz, der die Frage prägnant beantwortet (These results indicate…)
  • Ausblick: 1 Satz, zu was das Ganze gut ist. (…might be a potential…)

Diese Koordinaten bilden die Eckpunkte der späteren Publikation. Sie sind das Konzept Ihrer Arbeit (Lesen Sie hierzu: „Nicht ohne Konzept„).

Vier definierte Schreibphasen führen zu einem wissenschaftlichen Manuskript.Schreibphase 2: Das Outline und die wissenschaftliche Argumentation

Viele Autoren verstehen unter einer Gliederung eine Sammlung von Stichpunkten, die den ungefähren Inhalt der Publikation umreißen. Davon will ich das Outline abgrenzen, denn hier geht es bereits zur (wissenschaftlichen) Sache: In einem Outline schreibt man stellvertretend für jeden Absatz der späteren Publikation einen vollständigen Satz, der den Inhalt des Absatzes festlegt. Zusätzlich kann man sich Stichpunkte und Referenzen notieren sowie Abbildungen und Tabellen entwerfen.

Schreibphase 3: Die Rohfassung absatzweise schreiben

Ausgehend vom Gerüst des Outlines wird die Rohfassung geschrieben. Da das Outline bereits viele Details enthält, muss man nicht ins Blaue hinein formulieren, sondern kann seinen Text absatzweise und am Stück schreiben. Stilistische Fragen und andere Details kann man zunächst außer Acht lassen, denn darum kümmern wir uns in der nächsten Phase.

Schreibphase 4: Überarbeitung und Feinschliff

Die Rohfassung steht. Nun kümmern wir uns um stilistische und formale Dinge, optimieren Überzeugungskraft und Verständlichkeit und überprüfen inhaltliche Richtigkeit und Rechtschreibung. Am Ende dieses Schrittes steht ein publikationsfähiges Manuskript.

Drei Vorteile des strukturierten Schreibens

Vorteil 1: Der Fokus jeder Schreibphase

Jede Schreibphase konzentriert sich jeweils auf Aufgaben, die so wichtig und umfassend sind, dass man sie kaum in einem einzigen Arbeitsschritt erledigen kann. Daher die Arbeit in einzelnen Schreibphasen: Das Konzept legt die Story fest, das Outline die Argumentation innerhalb der Kapitel (IMRAD). Beim Schreiben der Rohfassung konzentriert man sich auf Logik und Verständlichkeit und beim Überarbeiten auf Stil und Formalitäten.

Vorteil 2: Die Kontrolle jeder Schreibphase

Das Ergebnis jeder Phase kann separat kontrolliert werden – von Ihnen selbst, Ihrem Boss und Ihren Koautoren. So stellen Sie sicher, dass Sie von Beginn an in die richtige Richtung arbeiten. Nachträgliches Umschreiben, das Verschieben und Löschen ganzer Passagen kann so vermieden werden (hierzu: „Die Zusammenarbeit mit den Koautoren„).

Vorteil 3: Der Zeitbedarf beim strukturierten Schreiben

Die Arbeit am Paper auf vier Schreibphasen zu gliedern, sieht zunächst nach Mehrarbeit aus. Ist es nicht. Die Phasen greifen wie Zahnräder ineinander, sie bauen aufeinander auf. In der Summe reduziert man die Dauer bis zum publikationsfähigen Manuskript um ein Vielfaches (hierzu: „Zeitbedarf eines Research Papers„).

Der strukturierte Schreibprozess

Dieser strukturierte Schreibprozess ist nichts, was ich mir theoretisch, am „grünen Tisch“, ausgedacht hätte. Er beruht auf meiner Erfahrung als Wissenschaftler und inzwischen als freiberuflicher Scientific & Medical Writer. Mir hat er geholfen – probieren Sie es einfach aus.

Der strukturierte Schreibprozess und seine Schreibphasen.

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Wo man ihn erlernen kann? Falls die Kurzdarstellung hier im Blog nicht genügt: Lesen Sie es im „Paper-Protokoll“ nach. Dort sind alle Schreibphasen mit den dazugehörigen Arbeitsschritten im Detail und mit zahlreichen Beispielen erklärt.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, können Sie alternativ auch einen meiner Workshops besuchen (Research Paper, Doktorarbeit).

Und wenn Ihr strukturiert geschriebenes Paper noch einen letzten Feinschliff benötigt, besuchen Sie einfach regelmäßig diesen Blog.

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