Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Ethisches Scientific Writing

Dass es für alle Forschungsprojekte ethische Grundregeln gibt, ist klar. Aber die ethischen Anforderungen enden nicht mit dem Abschluss der praktischen Arbeiten im Labor oder in der Klinik. Auch für das wissenschaftliche Schreiben gibt es sie – ethische Grundregeln.

Wissenschaftliche Autoren und Autorinnen tragen Verantwortung – nicht nur für das, was sie im Labor, in der Klinik oder im Tierstall tun, sondern auch für das, was sie anschließend zu Papier bringen (Ethik und Wissenschaft). Auch für das wissenschaftliche Schreiben gibt es ethische Grundsätze. Hier ein paar dieser Regeln – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Selektives Publizieren

Was für die Arbeit im Labor oder in der Klinik gilt, gilt auch fürs Scientific Writing. Niemand darf im Labor einfach unliebsame Ausreißer einer Messreihe löschen – auch wenn sie den Fehlerbalken in die Höhe schießen lassen würden. Und genauso wenig darf man selektiv publizieren, also nur die Studien veröffentlichen, die einem genehm sind. Auch wenn die Daten unsere Hypothese infrage stellen, dürfen wir sie nicht ignorieren.

Selektives Zitieren im Paper

Gleiches gilt für Publikationen, die nicht in unser Bild passen. Der Leser erwartet in der Discussion eines Papers eine ehrliche Diskussion: Welche Literaturdaten unterstützen die Argumentation des Papers und welche widersprechen ihr? Keinesfalls darf man sich auf die unterstützende Literatur beschränken – das wäre unwissenschaftlich und widerspräche der wissenschaftlichen Ethik.

Sekundärliteratur beim wissenschaftlichen Schreiben

Man darf sich beim Recherchieren nicht auf Sekundärliteratur wie etwa Reviews verlassen. Dort können Daten fehl- oder überinterpretiert worden sein. Als wissenschaftlicher Autor ist man verpflichtet, sich die Daten, die man zitiere möchte, im Original anzusehen.

Plagiarismus in der Wissenschaft

Plagiarismus (Wikipedia Link) ist natürlich per se unethisch, unhöflich und geht daher gar nicht. Sie möchten ja auch nicht, dass jemand Ihre Daten, Ideen oder Texte, für die Sie hart gearbeitet haben, als seine eigenen ausgibt (Plagiate in der Wissenschaft).

Beschreiben Sie also die Ideen anderer mit Ihren eigenen Worten (paraphrasieren) und geben Sie die Quelle an. Falls Sie etwas wörtlich zitieren, vergessen Sie nicht die Anführungszeichen.

Unethisches Zitieren beim wissenschaftlichen Schreiben

Da wir gerade beim Paraphrasieren sind: Wenn Sie ein Paper zitieren, in dem die Autoren in der Schlussfolgerung sagen „our data suggest a role of cyclin …“, dann darf man daraus nicht machen „the authors demonstrated the role of cylcin…“. Beim Paraphrasieren muss man genau und ehrlich bleiben.

Genau und ehrlich bleiben – das gilt natürlich fürs Zitieren generell. So sollte man nicht schreiben „several studies [1-3] have demonstrated“, wenn nur Quelle 1 eine Originalquelle ist und die Quellen 2 und 3 nur Reviews.

Selbst-Plagiarismus: Manuskript Recycling

Gelegentlich versuchen Autoren im Sinne der Gewinnmaximierung die gleichen Daten in verschiedenen Publikationen zu verbraten. Dem Leser gegenüber ist das nicht fair, den redlichen Wissenschaftlern gegenüber auch nicht. Und die Herausgeber der Fachjournale finden das auch nicht lustig (hierzu: Text recycling: acceptable or misconduct?).

Autorenschaft beim wissenschaftlichen Schreiben

Wer kann wissenschaftlicher Autor oder wissenschaftliche Autorin werden? Um sich für die Autorenschaft eines Fachartikels zu qualifizieren, müssen alle der drei folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  1. Man muss an der Planung, Durchführung und Auswertung der Experimente oder der Studie beteiligt gewesen sein.
  2. Man muss das Manuskript geschrieben oder es kritisch korrekturgelesen haben.
  3. Man muss der Submission der finalen Manuskriptversion zugestimmt haben.

Es genügt nicht, nur eine dieser Bedingungen zu erfüllen – alle drei müssen erfüllt werden (vgl.: International Commitee of Medical Journal Editors). Und somit wird klar, was nicht in Ordnung ist:

  • „geschenkte“ Autorenschaft: Jemand hat nur einmal durchs Manuskript geblättert und bekommt eine Autorenschaft, weil er dringend ein paar Impact-Punkte für seine Bewerbung braucht? Geht gar nicht.
  • Geistautorenschaft: Jemand steht nur auf dem Paper, weil er oder sie berühmt ist, einen tollen Namen hat, und dadurch das Paper glaubwürdiger macht als es das eigentlich verdient? Geht noch weniger.

Umgekehrt darf niemandem eine Autorenschaft vorenthalten werden, der die oben genannten Kriterien erfüllt – auch nicht, wenn der- oder diejenige die Firma oder den Lehrstuhl wechselt oder beim Chef in Ungnade gefallen ist (vgl.: International Commitee of Medical Journal Editors).

Acknowledgement im Paper

Jemand hat einen wichtigen Beitrag zum Paper geleistet, die Statistik gemacht oder den First Draft geschrieben, aber erfüllt eben nicht alle der oben genannten drei Kriterien? Das Acknowledgement ist die Stelle im Paper, an der man denjenigen nennen kann und auch sollte (vgl.: International Commitee of Medical Journal Editors).

Fazit

Diese Grundsätze sollten natürlich Bestandteil der universitären Ausbildung sein – und Profs, AG-Leiter und Betreuer im Labor sollten bei der Umsetzung dieser Regeln mit gutem Beispiel vorangehen.

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Kontakt

Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

Ringstraße 7
91080 Marloffstein

Tel.: +49 (0) 9131 6103 623
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