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Der Titel von wissenschaftlichen Originalartikeln und Reviews – Action sell´s

Eigentlich heißt es ja: „Sex sell´s“. Aber heute geht es mal nicht um Sex – sondern um Actionfilme. Irgendwer hat mir neulich erzählt, der Titel einer wissenschaftlichen Arbeit sollte nicht nur Interesse wecken. Er sollte – „WOW“ – maximale Aufmerksamkeit erzielen.

Klar, bei der Menge an wissenschaftlichen Fachpublikationen aus dem Life Science Bereich, die jeden Monat erscheinen, will man nicht untergehen. Schließlich soll jeder von den mühevoll erhobenen Daten erfahren und das Paper lesen. Wie erzielt man also maximale Aufmerksamkeit im Titel seines Originalartikels oder Reviews?

Der Kreativität setzen nur die Herausgeber der Journals Grenzen. Und so findet sich bei den Titeln wissenschaftlicher Life Science Paper viel Unterhaltsames – etwa Anlehnungen an bekannte Actionfilme.

Mad Max

In einer Genetik-Vorlesung (im Studium, sehr lange ist´s her) besprachen wir einmal den Transkriptionsfaktor Mothers against decapentaplegic (Mad). Ich konnte mich kaum einkriegen vor Begeisterung, als ich erfuhr, dass ein später identifizierter Mad-Interaktionspartner „Max“ genannt wurde – Mad Max.

Denn das verriet mir, dass a) Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen richtig coole und witzige Typen sein können und b) auch Life-Science-Forschende noch die Zeit finden, ins Kino zu gehen (natürlich Spätvorstellung, nachdem man noch schnell die Zellkultur gemacht hat und die Realtime-PCR gestartet hat).

Mad-Max transcriptional repression is mediated by ternary complex formation with mammalian homologs of yeast repressor Sin3. (Aver et al., Cell 1995)

Terminator

Mad Max und der Terminator – Life-Science-Forschende stehen auf Actionfilme.

Did you like Terminator 3 better than Terminator 2? „Rise of machines“ with HeartMate 3? (Takayama, J Thorac Cardiovasc Surg. 2016)

Hm, naja … In diesem HeartMate-Paper geht es übrigens um eine implantierbare Kreislaufpumpe. Ein Zitat aus dem ersten Terminator gefällig?

Micro-terminator: ‚Hasta la vista, lncRNA!‘ (Diederichs, Nat Struct Mol Biol. 2015)

Zwei glorreiche Halunken

Der internationale Titel ‘The Good, the Bad and the Ugly’ ist wohl der Filmtitel, der am häufigsten für wissenschaftliche Life Science Arbeiten “verbraten“ wurde (ich habe wahllos drei ausgewählt):

The big, the bad, and the exon 11: adjuvant imatinib for all gastro-intestinal stromal tumors or just the ugly? (Groisberg et al., Transl Gastroenterol Hepatol. 2017)

Visual consequences of medications for multiple sclerosis: the good, the bad, the ugly, and the unknown (Moss, Eye Brain. 2017)

The Good the Bad and the Ugly of Glycosaminoglycans in Tissue Engineering Applications. (Ayerst et al., Pharmaceuticals (Basel). 2017)

Ganz klar: Wird ein Filmtitel überstrapaziert, ist das irgendwann nicht mehr kreativ und lustig, sondern nur noch „aufgesetzt“.

Star Wars

The empire strikes back – irgendwer schlägt in den Life Sciences immer zurück:

Urea, a true uremic toxin: the empire strikes back. (Lau et al., Clin Sci (Lond). 2017)

Clinical aspects of severe infections caused by antibiotic-resistant Gram-negative bacteria. The Empire strikes back? (Sinko, Orv Hetil. 2017)

In diesem Zusammenhang scheint erwähnenswert, dass jemand einen GTPase-Regulator „Skywalker“ nannte. Folgerichtig gibt es den Titel:

The membrane strikes back: phosphoinositide binding regulates Skywalker function (Del Signore et al., Nat Struct Mol Biol. 2016).

Auch die Klonkrieger dürfen nicht fehlen: „Episode II Attack of the Clones“ stand offensichtlich Pate für:

Global Emergence and Dissemination of Enterococci as Nosocomial Pathogens: Attack of the Clones? (Guzman et al., Front Microbiol. 2016)

Und wenn eine Operationstechnik auf Lasertechnik basiert?

Klar, dann müssen die Jedis herhalten:

The return of the jedi: comparison of the outcomes of endolaser dacryocystorhinostomy and endonasal dacryocystorhinostomy. (Zengin et al., Int Forum Allergy Rhinol. 2014)

Und die Love Stories?

Ok, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich Life Science sind nicht nur wilde Typen – es gibt auch die Soften, die eher auf Liebesfilme stehen:

Fazit

Ein Fazit gibt es diesmal nicht. Beurteilen Sie selbst, ob die Life Science Autoren ihr Ziel erreicht haben: Sind Sie auf diese Titel „angesprungen“, haben den Link angeklickt und den Abstract verschlungen?

Anmerkung: Wie man einen einfachen, klaren und soliden Titel für sein Paper formuliert, können Sie im Paper-Protokoll nachlesen.

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