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Abstract first – warum man zuallererst den Abstract schreiben sollte

Nicht selten reagieren Teilnehmer meiner Scientific-Writing-Kurse mit Unglauben, wenn ich vorschlage, das Schreibprojekt „Research Paper“ mit dem Abstract zu beginnen. „Schreibt man den nicht zum Schluss?“, fragen sie, denn so steht es in fast jedem Schreibratgeber. Doch die Arbeit an einem Paper mit dem Abstract zu beginnen, hat einige Vorteile, viele Vorteile.

Auch in meinem Schreibratgeber „Das Paper-Protokoll“ empfehle ich, die Arbeit am Paper mit dem Abstract zu beginnen. Das tue ich nicht, weil ich einfach irgendetwas besonderes machen wollte, etwas, das mein Buch von anderen Ratgebern unterscheidet, sondern weil es eine Reihe ganz handfester Gründe gibt.

Grundlegende Entscheidungen fürs Paper

Bevor man mit der Detailarbeit am Manuskript seines Papers beginnt, kann man mithilfe des Abstracts viele wichtige Entscheidungen treffen:

  • Soll es ein Hypothesen-Paper (we asked if), eine deskriptive Arbeit (aim was to characterize) oder ein Methoden-Paper werden?
  • Welche Ergebnisse kommen ins Paper – die Zellkulturexperimente und die Tierversuche?
  • Welches Zieljournal kommt infrage? Ein hilfreiches Tool finden Sie hier: http://jane.biosemantics.org/

Die Blaupause fürs Paper

Der Abstract ist das Miniaturabbild des vollständigen Papers. Hier kann im Kleinen seine Argumentation skizzieren, optimieren und kontrollieren. Da das Schreiben des Abstracts statt einiger Wochen nur wenige Stunden dauert, sparrt man somit unheimlich viel Zeit: Hat man in seinem Abstract bereits eine schlüssige Argumentation entwickelt, werden viele der späteren Manuskriptkorrekturen am Paper überflüssig (der Abstract ist das Konzept des Papers).

Die Basis für die Gliederung des Papers

Die Eckpunkte des Abstracts bilden das Gerüst für den nächsten Arbeitsschritt, die Gliederung des Papers:

Abstract Paper
Background → Introduction (Anfang)
Question → Introduction (letzter Absatz)
Method (approach) → Introduction (letzter Absatz)
Results → Results (Reihenfolge)

→ Reihenfolge Methods

Answer → Discussion (Anfang)
Implication/Conclusion → Discussion (letzter Absatz)

Wenn man nun an seiner Gliederung arbeiten möchte, hat man bereits einige Eckpunkte, an denen man sich orientieren kann: Anfang und Ende von Einleitung und Diskussion sowie die zentralen Ergebnisse in einer bestimmten Reihenfolge (woraus sich auch wieder die Reihenfolge der Methods in Material & Methods ergibt). Der rote Faden des Abstracts bleibt so erhalten, weil er direkt in das Paper übernommen wird.

Festlegung der Keywords

Ich meine jetzt nicht die drei bis fünf Key-Words, die man meist unter seinen Abstract schreiben soll. Ich meine damit alle Keywords des Papers. Das heißt: Sie wählen bereits im Abstract bestimmte Schlüsselbegriffe aus und verwenden diese durchgängig im gesamten Paper. Solche Wortwiederholungen sind nichts Böses. Im Gegenteil – der Leser weiß auf diese Weise immer genau, was gemeint ist. Das erleichtert das Verständnis (↔ Synonymitis).

Die Zusammenarbeit mit den Ko-Autoren

Haben einige Ko-Autoren eine komplett unterschiedliche Vorstellung vom grundlegenden Aufbau eines Papers, von seiner Story, dann wird die Arbeit am Manuskript zu einer sehr nervigen und zeitraubenden Angelegenheit. Die Story seines Papers kann man sehr viel schneller auf der Grundlage des Abstracts mit seinen Ko-Autoren abstimmen. Ein paar Änderungen, zwei bis drei E-Mails und eine zehnminütige Telefonkonferenz – und schon sind Missverständnisse ausgeräumt und die Story „steht“. Und dann kann es losgehen mit dem Schreiben und alle sind auf dem richtigen Weg.

Fazit

Paper Protokoll für biomedizinische Paper

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Wichtige Entscheidungen sollte man immer zu Beginn eines Projektes treffen – das gilt für die Weltumseglung, den Hausbau, die Ehe und das Paper.

Falls ich Sie noch nicht überzeugen konnte, würde ich sagen: „Probieren Sie es beim nächsten Paper einfach aus.“ Sie werden sehen: Paper-Schreiben kann auch Spaß machen.

Weitere Tipps zum Abstract und zum Paper schreiben gibt’s hier im Blog – und natürlich im Paper-Protokoll, der Schreibanleitung für biomedizinische Originalartikel.

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Kontakt

Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

Ringstraße 7
91080 Marloffstein

Tel.: +49 (0) 9131 6103 623
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