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Die Don´ts im ersten Satz – was gar nicht geht

Wer durch die Hölle des wissenschaftlichen und medizinischen Schreibens geht, will auch gelesen werden. Zu dumm nur, wenn man sich im ersten Satz bereits einen Fauxpas leistet, der den Leser nachhaltig verschreckt. Hier erfahren Sie die absoluten „Tu das nicht!“, die Don´ts.

Vorab möchte ich an einen lang zurück liegenden brandaktuellen Blogbeitrag erinnern, in dem ich das Gegenteil, die Do´s beschrieben habe (Der erste Satz). Die Quintessenz: Im ersten Satz eines wissenschaftlichen Textes will der Leser zielstrebig erfahren, um was es grundlegend geht und warum das Thema für ihn von Bedeutung ist. Ein simple Regel, kann man sich merken. Sie gilt für Dissertationen, Paper und wissenschaftliche Poster. Deswegen wechsle ich jetzt sofort zu den Don´ts. So etwas geht gar nicht:

Beliebigkeit im ersten Satz eines wissenschaftlichen Textes (Life Science)

„Ganz gleich, ob Patienten sich in psychotischen, neurotischen, impulsiven oder depressiven Zuständen befinden, kann die Therapie mit XY die Symptomatik nachhaltig verbessern.“

Mag sein, dass sich dieser Life Science Text schon im zweiten Satz auf eine bahnbrechend neue Therapie fokussiert und später mit atemberaubenden Studienergebnissen aufwartet – der Leser kommt gar nicht soweit. Denn er denkt sich schon beim ersten Satz:

Ok, wenn das alles ‚ganz gleich‘ ist, dann ist es auch ganz egal, ob ich weiter lese oder nicht.

Beliebigkeit am Textanfang eines Life Science Textes

„Ganz gleich, ob“ oder „Egal, ob“ am Textanfang sind Quotenkiller.

Ungelöste Probleme im ersten Satz eines wissenschaftlichen Textes (Life Science)

„Die aseptische Lockerung von zementierten Knie-Endoprothesen ist ein ungelöstes Problem …“

Standardanfangssatz in Life Science Texten: „… ist ein ungelöstes Problem.“ Doch wer sich die Mühe macht und sich die Zeit nimmt, einen wissenschaftlichen Text durchzuackern, will Lösungen – keine Probleme.

Probleme habe ich zuhause genug.“, denkt sich der Leser und blättert zum nächsten Artikel.

„Ungelöste Probleme“ sind auch Quotenkiller.

Lehrbuch-Jargon im ersten Satz eines wissenschaftlichen Textes (Life Science)

„Die Association of Pain Research hat Schmerz als eine unangenehme Erfahrung, die im Zusammenhang mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung steht, definiert.“

Sehr schön. Ein solcher Satz ist gleich aus zwei Gründen ein Quotenkiller. Er klingt nach einem alten und verstaubten Medizin-Lehrbuch – das liegt an diesem „hat … als … definiert“. Früher war es vielleicht üblich, dem Leser erst einmal ein paar Definitionen um die Ohren zu hauen, so als Grundlage für die weitere Rezeption. Heute macht man das nicht mehr. Denn der Leser denkt sich:

„Ein Lehrbuch? Brrrrr!“

Definition von Schmerz am Textanfang eines Life Science Textes

Der zweite Grund, warum das ein Quotenkiller ist: Ein Zitat am Textanfang ist nur spannend, wenn man denjenigen kennt, der da spricht. Association of Pain Research? Nie gehört.

Chronologie im ersten Satz eines wissenschaftlichen Textes (Life Science)

„Die Folgen des obstruktiven Schlafapnoesyndroms wurden erstmalig vor 45 Jahren beschrieben.“

Intuitiv erwartet nun der Leser dieses Life Science Textes, erst einmal einen historischen Abriss über die letzten 45 Jahre über sich ergehen lassen zu müssen, bevor er erfährt, was es denn mit diesem Schlafapnoesyndroms auf sich hat.

Das dauert mir zu lange, ich muss weg“, denkt er sich und weg ist er.

Unverständlichkeit im ersten Satz eines wissenschaftlichen Textes (Life Science)

„In Publikationen der HP-Studiendaten und entsprechenden HPII-Sekundäranalysen und Übersichtsarbeiten, werden Schlussfolgerungen zahlreicher Wissenschaftler zitiert, dass nämlich die Studienergebnisse zum therapeutischen Nutzen des Medikaments XY den Umfang erreichten, die seinerzeit die Wahrnehmung des präventiven Nutzens von Acetylsalicylsäure rechtfertigten.“

Hm… geht es nur mir so oder war der Satz jetzt irgendwie seltsam – was die Satzlänge, den grammatikalischen Zusammenhang, nicht erklärte Abkürzungen und vor allem den Sinn betrifft?

Muss man nicht drüber reden: Unverständlichkeit = Quotenkiller. Auch in Life Science Texten.

So macht man es besser beim ersten Satz eines wissenschaftlichen Textes (Life Science)

Fünf Fehler, die es in Texten der Biowissenschaften zu vermeiden gilt. Wie man es besser macht – dazu gab es schon einmal einen Blog-Beitrag; ein weiterer ist in Arbeit. Und wie man speziell für sein Research Paper oder sein wissenschaftliches Poster einen gelungenen Einstieg findet, erfahren Sie in meinen Ratgebern:

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Dr. rer. nat. Stefan Lang
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