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Mythen über wissenschaftliche Poster

Manchmal sieht man es auf der Poster-Session eines Kongresses: ein Bereich einer signifikant verminderten Besucherdichte rund um ein Poster-Monster. Ein Poster-Monster ist ein wissenschaftliches Poster, dessen Titel (in fetten Großbuchstaben) den Betrachter erschlägt, dessen übermäßiger Textanteil dem Betrachter ernste Kopfschmerzen bereitet, und dessen Farbwahl eine schlichte Beleidigung fürs Auge ist.

Kongressbesucher und wissenschaftliche Poster

Signifikant verminderte Besucherdichte um ein schlechtes wissenschaftliches Poster.

Warum produzieren Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen solche Poster-Monster? Erste Möglichkeit: Sie wollen ihre Ruhe haben und nicht von neugierigen Kongressbesuchern belästigt werden. Zweite Möglichkeit: Sie wussten es nicht besser. Irgendein Mitarbeiter ihres Instituts hat ihnen ein paar Mythen zu wissenschaftlichen Postern erzählt, die allesamt falsch waren. Herausgekommen ist dann ein Poster-Monster.

Mythos 1: Ein Poster ist so etwas wie ein Originalartikel.

Klar, ein Poster bzw. der dazugehörige Abstract kann ja auch zitiert werden. Und daher muss ein Poster den gleichen Informationsgehalt und die gleiche Detailtiefe aufweisen wie ein Research Paper? Grundfalsch. Ein Poster ist eben kein komprimierter Originalartikel. Sein Informationsgehalt entspricht vielmehr dem eines Abstracts.

  • Poster ≠ Paper; Poster = Abstract

Mythos 2: Der Besucher will alle Ergebnisse reproduzieren können.

Aha, und deswegen braucht es einen ausführlichen Methoden-Abschnitt mit allen experimentellen Details? Auch grundfalsch. Kein Kongressbesucher versucht, auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Posters Experimente zu reproduzieren. Man darf sich daher kurz fassen und sich auf die wichtigsten Charakteristika der Studienteilnehmer oder Versuchstiere, auf das grundlegende Behandlungsschema und die Namen der verwendeten Untersuchungsmethoden beschränken.

  • Poster Methodik: was (aber nicht "wie")

Mythos 3: Will ein Betrachter eines wissenschaftlichen Posters mit Ihnen diskutieren, dann braucht er Daten.

Umfangreiche Tabellen, am besten Rohdaten, die man nur mit gezückter Lesehilfe entziffern kann… Kein Kongressbesucher will mit Ihnen über Daten sprechen – wohl aber über Ergebnisse. Ergebnisse sind das, was man bekommt, wenn man Daten auswertet und vergleicht.

  • Daten ≠ Ergebnisse

Mythos 4: Ein Poster ist wie ein Vortrag, nur dass man ihn nicht nur hören, sondern auch lesen kann.

Ein klassischer Vortrag auf einem wissenschaftlichen Kongress dauert 10 bis 15 Minuten – solange wird niemand vor ihrem Poster stehen bleiben, 3 Minuten vielleicht oder auch 5, aber selten mehr. Sie müssen daher Ihren Postertext nicht in vollständigen Sätzen verfassen. Oft tun es auch Bullet Points.

  • Poster ≠ Vortrag

Mythos 5: Der Inhalt ist stets wichtiger als die Form.

Schön gedacht, vielleicht ist er das sogar. Nur wird sich niemand mit dem Inhalt Ihres Posters befassen, wenn die äußere Form abstoßend ist – etwa weil das Poster schlampig gestaltet wurde oder eine stilistische Zumutung ist.

  • Poster = Gestaltung

Mythos 6: Ein Poster funktioniert streng nach Marketing-Aspekten. Man muss auffallen um jeden Preis.

Das andere Extrem. Funktioniert aber genauso wenig, denn wir bewegen uns auf einem Kongress immer noch in einem wissenschaftlichen Umfeld. Klar, man darf Aufmerksamkeit und Interesse wecken – mit einem ausreichend großen Titel, einem Eye-Catcher (z.B. eine gute Abbildung) und vor allem durch bestechende Klarheit.

  • Poster ≠ Marketing

Mythos 7: Eine Postersession ist eine zwanglose Veranstaltung.

Und deswegen sind zerrissene Jeans und ein Batik-Shirt in Ordnung? Vielleicht, wenn der Kongress in Kalifornien oder auf Hawai stattfindet. Die Postersession ist zwar zwangloser als ein Vortrag, ok, aber trotzdem: Es ist ein professionelles Umfeld, das an Kleidung und Benehmen doch ein paar Anforderungen stellt.

  • Poster ≠ Small Talk

Auf zum Kongress!

Gut, nachdem mit diesen Mythen aufgeräumt ist, kann es ja nun jetzt losgehen mit der Postergestaltung. Mehr Tipps gefällig? Hier, im Ratgeber „Wissenschaftliche Poster – Vom Kongressabstract bis zur Postersession“ finden Sie welche (ISBN Paperback 978-3-7469-2343-7).

Wissenschaftliche Poster erstellen mit diesem Ratgeber

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Was gehört alles zu einem wissenschaftlichen Poster, wie bewerbe ich mich für einen internationalen Kongress, wie schreibt man am besten einen Abstract, wie sollte man vorgehen, um ein professionelles Poster zu erstellen, welche Vorgaben gilt es zu beachten, muss ich mich vor der Postersession fürchten, was ziehe ich an…. ?

Wissenschaftliche Poster – Vom Kongressabstract bis zur Postersession (ISBN: 978-3-7469-2343-7).

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