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‚Limitations‘ – optionale Selbstkritik oder wissenschaftliche Notwendigkeit?

Die Autorenhinweise einiger Journals verlangen das ausdrücklich: ein Absatz in der Diskussion zu den Einschränkungen (limitations) einer Studie. Doch auch, wenn es das Journal nicht vorschreibt, sollte man offensiv mit den limitations seiner Studie umgehen. Wie und Warum, erklärt dieser Beitrag.

Was heißt ‚Limitations‘?

Die ‚limitations‘ erklären, warum die Ergebnisse einer Studie nur eingeschränkt generalisierbar sind. Sie werden meist in einem Absatz der Diskussion eines Originalartikels (research paper) oder auch einer Doktorarbeit behandelt. Die Gründe, warum Ergebnisse nur eingeschränkt aussagekräftig sind, können folgende Aspekte betreffen:

  • interne Validität (z.B. Messfehler, sonstige methodische Probleme)
  • externe Validität (z.B. Wahl der Studienpopulation, Stichprobe etc.)

Solche limitations schränken also die Generalisierbarkeit der Ergebnisse ein – doch in der Regel nicht die Schlussfolgerung (conclusion), die man am Ende der Diskussion formuliert. ‚Limitations‘ werden in allgemeinen medizinischen Journals häufiger offensiv benannt als in Journals, die bestimmte Spezialgebiete abdecken (ter Riet G et al. All That Glitters Isn’t Gold: A Survey on Acknowledgment of Limitations in Biomedical Studies. PLoS ONE 8(11)).

Was spricht gegen Limitations?

Was sind die Gründe, wenn Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Einschränkungen ihrer Studie nicht nennen? Der erste Grund ist banal: Sie sehen die limitations gar nicht. Eine wohl zutiefst menschliche Eigenschaft ist wohl, immer nur das zu sehen, was die eigene Meinung bestätigt, und alles andere auszublenden – vor allem, wenn man viel Zeit und Energie in eben diese Bestätigung gesteckt hat (Bestätigungsfehler, confirmation bias).

Der zweite Grund: Die Wissenschaftler möchten die Gutachter ihres Originalartikels nicht mit der Nase direkt auf die Schwachpunkte ihrer Arbeit stoßen – und damit womöglich selbst eine ‚Rejection‘ herbeiführen. Dieser zweite Grund ist Quatsch: Herausgeber und Reviewer wissen, dass keine Studie und kein Forschungsprojekt perfekt ist. Außerdem sind sie meist erfahrene Wissenschaftler und erkennen die Schwachpunkte eines Papers sofort. Nennt man also offensiv die Limitations seiner Arbeit, zeugt das von wissenschaftlicher Ehrlichkeit und Professionalität, die von Herausgebern und Reviewern stets honoriert werden.

Was spricht für Limitations?

Wie gesagt: Herausgeber und Reviewer erkennen die Schwachpunkte sowieso. Warum also die möglichen Kritikpunkte nicht gleich vorwegnehmen und somit womöglich aus der Welt schaffen? Vielleicht erhöht das sogar die Chancen auf ein „accepted“.

Außerdem ist der offene Umgang mit den Einschränkungen einer Studie Voraussetzung für eine zielführende und sinnstiftende wissenschaftliche Diskussion – klar, werden die Limitations nicht genannt, werden Studien eventuell eins ums andere Mal wiederholt, immer wieder, bevor ein nutzloser Wirkstoff dann endgültig in die Tonne getreten wird.

Limitations erkennen

Wie erkennt man aber in seinem Manuskript die kritischen Punkte? Schließlich laufen wir ja alle Gefahr, einer confirmation bias zu erliegen.

Advocatus Diaboli

Bitten Sie einen Kollegen, Ihr Manuskript kritisch zu lesen. Am besten suchen Sie sich jemanden, der nicht aus Ihrer eigenen Arbeitsgruppe stammt und schon gar kein Untergebener ist. Suchen Sie sich lieber einen echten ‚Nerd‘, der für seinen übertriebenen Skeptizismus bekannt ist und / oder von dem Sie wissen, dass er Sie nicht leiden kann.

Checklisten

Konsultieren Sie relevante Checklisten, die zur Prüfung einer wissenschaftlichen Studie dienen:

Distanz

Hilfreich, wenn auch nicht immer praktikabel: Lassen Sie das Manuskript für ein paar Wochen ruhen und nehmen Sie es sich dann erneut vor. Das hilft, einmal die Perspektive eines Herausgebers oder Reviewers einzunehmen.

Fazit

Für mich sind sie immer Bestandteil einer guten wissenschaftlichen Diskussion – die Limitations. Was sonst noch in die Diskussion eines Papers oder eines Posters gehört, erfahren Sie – hüstel – in meinen beiden Schreibratgebern „Das Paper-Protkoll“ und „Wissenschaftliche Poster“.

Wissenschaftliche Poster

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Research Paper

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Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

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