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Ebenen der Präzision im Research Paper

Wenn man die Anforderungen an den wissenschaftlichen Schreibstil auf ein Wort herunterbrechen wollte, würde einem wahrscheinlich zu allererst „Präzision“ einfallen. Wie erreicht man einen wirklich präzisen Text? Mithilfe der folgenden fünf Fragen.

Der erste Schritt, sich beim wissenschaftlichen Schreiben wirklich präzise auszudrücken, ist einen Schritt zurückzutreten, seinen Text in Ruhe zu betrachten und demütig zu fragen: „Bin ich präzise genug?“ Wer dagegen auf seinem hohen Wissenschaftsross sitzen bleibt und seine geschriebenen Sätze mit einem hochnäsigen „Der Satz ist doch klar!“ kommentiert, verfällt oft in einen unpräzisen Jargon.

Präzision im Research Paper, in der Doktorarbeit und auf dem Poster

Kein Toleranzbereich für die Präzision in Wissenschaftstexten.

Ebenen der Präzision beim wissenschaftlichen Schreiben

Wirkliche Präzision hat verschiedene Ebenen. Die folgenden fünf Fragen sollen Ihnen helfen, die Präzision Ihres Textes auf allen Ebenen zu optimieren. Sehen wir uns den folgenden Beispielsatz an, der eigentlich direkt zum Punkt kommt und eine klare Aussage macht:

One subgroup was significantly less obese than the other.

Eine Gruppe war signifikant weniger übergewichtig als die andere.

(1) Ebene der Präzision im Research Paper: Kontext

Damit ein solcher Satz präzise genug sein kann, muss der Kontext stimmen: Aus dem Kontext muss klar werden,

  • ob es sich um die Charakterisierung einer Gruppe vor Studienbeginn handelt (dann würde das Gewicht einen potenziellen Störfaktor darstellen) oder
  • ob es ein Ergebnis ist (etwa nach erfolgter Behandlung).

(2) Ebene der Präzision im Research Paper: Studienteilnehmer, Versuchsgruppen

Ebenso muss aus dem Kontext hervorgehen, um welche Gruppen es sich hier handelte:

  • Wurden Behandlungsgruppe und Placebogruppe verglichen?
  • Wie sind die Gruppen charakterisiert? Alter, Diagnose, Einschluss- und Ausschlusskriterien etc.
  • Wie hoch war der Stichprobenumfang in beiden Gruppen (Power-Kalkulation)?

(3) Ebene der Präzision im Research Paper: Wie genau erfolgte die Behandlung?

Übergewicht kann auf verschiedene Arten bekämpft werden: Sport, Diät, Medikamente etc. War es eine medikamentöse Behandlung, muss der Leser unter anderem den generischen Namen des Medikamentes, den Hersteller, die Art der Verabreichung, die Dosis und die ermittelte Therapieadhärenz erfahren.

(4) Ebene der Präzision im Research Paper: Wie wurde der Behandlungserfolg gemessen?

Im Falle von Übergewicht ist es scheinbar leicht, einen klaren Behandlungserfolg zu ermitteln – lässt sich doch der Body-Mass-Index (BMI) als diagnostisches Kriterium einfach bestimmen. Und dennoch lässt der oben genannte Beispielsatz ein paar Fragen offen:

  • Wurde in die Bewertung nur das einfache Übergewicht (BMI 30.0–39.9) oder auch das extreme Übergewicht (> 40) einbezogen?
  • Wurde nach Übergewichtsklassen I (30.0–34.9), II (35–39.9) und III (>40) differenziert?
  • Was bedeutet „weniger übergewichtig“ eigentlich: Gab es am Studienende prozentual weniger Übergewichtige in der Behandlungsgruppe? Oder waren alle Teilnehmer am Studienende noch übergewichtig, aber die Teilnehmer der Behandlungsgruppe wogen einfach etwas weniger?

(5) Ebene der Präzision im Research Paper: Statistik

Und wie wurden die Unterschiede eigentlich ermittelt?

  • Mithilfe welcher statistischen Methode wurde der Unterschied zwischen den Gruppen berechnet?
  • Wie groß war der Unterschied eigentlich?
  • Und was meinen die Autoren mit „signifikant“? Ein p-Wert wäre schön oder ein 95%-Konfidenzintervall.

Abgesehen von der Statistik: War das Ergebnis damit auch klinisch relevant? Wenn sich der BMI von durchschnittlich 39.9 auf 38.1 gesenkt hat, wohl eher nicht. Auch eine Beurteilung der klinischen Relevanz gehört zur Präzision.

Beim wissenschaftlichen Schreiben muss man sich präzise ausdrücken.

Ebenen der Präzision in Research Paper, Doktorarbeit und Poster.

Fazit: Präzision beim wissenschaftlichen Schreiben

Unbedingte Präzision ist also nötig, wenn es um folgende Dinge beim wissenschaftlichen Schreiben geht:

  • Stimmt der Kontext eines Satzes?
  • Wurde das „Untersuchungsgut“ ausreichend charakterisiert (Studienteilnehmer, Versuchstiere, Zell-Linien, Moleküle etc.)?
  • Wurden die sogenannten unabhängigen und abhängigen Variablen exakt beschrieben (was habe ich verabreicht, was habe ich gemessen)?
  • Wie wurden die Daten verglichen, welche statistischen Verfahren wurden angewendet?

Hat man diese Aspekte ausreichend berücksichtigt, wird es ein sehr präziser Text werden. Und den brauchen Sie – für Ihr Research Paper oder Ihr wissenschaftliches Poster.

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