Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Mein erstes Paper: Worauf muss ich achten?

Wenn ein Paper abgeschossen (rejected) wird, kann das viele Gründe haben. Einige davon kann man vermeiden. Welche, das verrät dieser Beitrag.

Eine glatte Rejection oder Ablehnung (durch den Editor und/oder Reviewer der Fachzeitschrift) ist heutzutage nicht selten, aber dennoch immer sehr ärgerlich – vor allem, wenn man zwar astreine Forschung betrieben, aber beim Schreiben ein paar fundamentale Fehler gemacht hat. Gehen wir daher einmal Ihre wissenschaftliche Publikation, Ihr ‚Paper‘ Schritt für Schritt durch – und ersetzen Paper-Frust durch Paper-Lust.

Verhindern Sie Paper-Frust und sorgen Sie für Paper-Lust.

Der Titel des Papers

Ein schlechter Titel verschwendet Zeit – die des Editors, der Reviewer und die der Leser. Das passiert immer dann, wenn der Titel mehr verspricht, als das Paper halten kann, oder wenn der Titel so ungenau ist, dass man so gar keine Ahnung bekommt, um was es im Paper eigentlich geht.

Worauf kommt es beim Schreiben des Titels also an? Der Leser möchte wissen,

  • was Sie getan haben (ein Medikament verabreicht oder ähnliches),
  • was Sie gemessen haben (also Wirkung und/oder Nebenwirkung des Medikaments),
  • was oder wen Sie untersucht haben (Population, Spezies, Versuchstiere, Zell-Linien o.ä.).

Der Abstract des Papers

Kurz ist er (etwa 200 Wörter). Den in den Instructions to authors vorgeschriebenen Word count darf man nicht überschreiten. Das ist eine Herausforderung, denn der Abstract soll das gesamte Paper repräsentieren und für sich alleine betrachtet verstanden werden können.

Schreiben Sie also in Ihrem Abstract

  • stellvertretend für die Introduction: Background & Question
  • stellvertretend für Methods: grundlegendes Studiendesign und Rahmendaten (z.B. Stichprobenumfang)
  • stellvertretend für die Results: Ergebnisse mit zusammengefassten Daten (keine Einzelwerte)
  • stellvertretend für die Discussion: Answer (zur Frage s.o.) & Conclusion

Die Introduction des Papers

Die Introduction bewegt sich vom Allgemeinen (z.B. Bedeutung einer Erkrankung) zum Speziellen (die Frage, ob Aminosäure Serin 237 des XY-Rezeptors einen Einfluss auf die Wirkung von Drug X hat).

Vergessen Sie beim Schreiben der Introduction also nicht,

  • die Relevanz Ihrer Arbeit zu verdeutlichen,
  • wichtige Schlüsselbegriffe zu erklären,
  • die entscheidenden Publikationen zu Ihrem Thema zu zitieren (Primärliteratur, möglichst aktuell)
  • mit einer prägnanten und genauen Fragestellung oder Zielsetzung zu enden.

Material & Methods

Alle Informationen, die man braucht, um Ihre Studie 1:1 zu wiederholen, müssen in den Abschnitt Material & Methods. Damit man bei dieser Detaildichte noch durchblickt, sollte dieses Kapitel sinnvoll und übersichtlich strukturiert werden.

Denken Sie beim Schreiben von Material & Methods

  • an experimentelle Details (was wurde wie und in welcher Reihenfolge gemacht),
  • an das Material (Geräte, Chemikalien, Antikörper, alles… Firma, Ort und Land gehören auch dazu),
  • an die Statistik (welche Methoden, welche Software)

Die Results Ihres Papers

Hier arbeiten Text, Abbildungen und Tabellen zusammen, um die Schlussfolgerungen Ihrer Discussion zu begründen. Sie müssen Ihrem Leser aber nicht nur sagen, „was“ Sie herausgefunden haben, sondern auch „wie gut“ Ihre Daten sind (statistische Analysen!).

Achten Sie beim Schreiben des Kapitels Results auf

  • die Reihenfolge der Ergebnisse (denn sie sollten eine Story erzählen),
  • den Verweis auf Abbildungen (Fig. 1) und Tabellen (Table 1),
  • den Unterschied Daten („war vor Behandlung 5 und nach Behandlung 1“) und Ergebnissen („Behandlung reduzierte von 5 auf 1“)

Diskussion eines Papers

Zu Beginn der Diskussion will der Leser wissen: „Und? Was kam nun raus?“ Das heißt: Die Frage (Ende Introduction) muss beantwortet werden. Am Ende der Diskussion fragte der Leser wieder: „Und? Was soll ich mir nun merken?“ Das heißt: Sie wiederholen die Antwort als griffige Take-home-message und ergänzen eine kurze Conclusion.

Das sollte die Discussion enthalten:

  • Antwort auf die zentrale Forschungsfrage
  • Abgleich mit Literaturdaten
  • Limitations (Selbstkritik: Was ist methodisch nicht so schön gelaufen)
  • Prägnante Schlussfolgerung am Ende

References

Da kann man nicht viel verkehrt machen, wenn man für das Zitieren eine gängige Literaturverwaltungssoftware benutzt.

Achten Sie darauf,

  • den richtigen Zitierstil Ihres Journals zu wählen,
  • die maximale Anzahl an Referenzen nicht zu übersteigen (sofern vorgeschrieben)
  • alle Quellenangaben zu kontrollieren (auch Software macht Fehler).

So – das war also Ihr Paper im Schnelldurchlauf. Mehr Infos und Anleitung zum Paper-Schreiben finden Sie hier im Blog oder im Paper-Protokoll. Viel Spaß beim Schreiben. Viel Erfolg beim Publizieren.

Das Paper-Protokoll hilft beim Schreiben Ihres ersten Papers.

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Kontakt

Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

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Tel.: +49 (0) 9131 6103 623
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