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Verständlichkeitskiller – wenn ein Satz nicht zum nächsten passt

Oft übersehener Verständlichkeitskiller: Wenn die Beziehung zwischen zwei Sätzen unklar bleibt, tappt der Leser im Dunkeln und muss sich irgendwie zusammenreimen, was der Autor oder die Autorin wohl meint. Meistens geht das schief – und das Paper oder die Doktorarbeit verliert an Glaubwürdigkeit.

Es ist ein Grundproblem beim wissenschaftlichen Schreiben: Als Autor oder Autorin, weiß man genau, wie ein Satz zum nächsten passt, denn „der Inhalt ist doch sonnenklar.“ Für den Leser sind die wissenschaftlichen Sätze eines Papers oder Doktorarbeit jedoch Neuland und man muss gut aufpassen, damit er sich nicht verläuft.

Unklare Bezüge durch Demonstrativ-Pronomen

Typ-A Medikamente binden unspezifisch an Ionenkanäle und sind unter physiologischen Bedingungen inaktiv. Typ-B Medikamente binden dagegen spezifisch an Ionenkanäle. Diese werden durch hohe MgSO4 Serumkonzentrationen aktiviert.

„Diese“ ist ein Demonstrativpronomen. Grammatikalisch betrachtet bezieht es sich immer auf das letzte Hauptwort (Ionenkanäle). Inhaltlich betrachtet würde ich es eher auf Typ-B Medikamente beziehen, weil im Satz zuvor auch etwas zur Aktivität von Typ-A Medikamenten gesagt wurde. Man kann es also grammatikalisch oder inhaltlich interpretieren – Missverständnisse sind so vorprogrammiert.

Abhilfe – das entsprechende Wort einfach wiederholen: „Diese Medikamente werden durch hohe MgSO4 Serumkonzentrationen aktiviert.“

Unklare Bezüge durch Oberbegriffe

Senkovan (2,5 mg / Tag) reduzierte die Blut-Glukose Konzentration um 30 %. Reductan (1,7 mg/ Tag) verminderte die Blut-Glukose Konzentration nur um 12 %. Die Therapie führte zu folgenden unerwünschten Nebenwirkungen: …

Die Therapie (Oberbegriff) mit was … mit Reductan, Senkovan oder beiden Medikamenten? Auch hier schafft die Wiederholung des entsprechenden Wortes schnell Abhilfe: „Die Therapie mit beiden Medikamenten führte zu folgenden unerwünschten Nebenwirkungen: …“

Unklare Bezüge durch Vagheitsausdrücke

Das Medikament XY ist für die Behandlung des chronischen Haarausfalls bei jungen Männern zugelassen. In diesem Zusammenhang kann für die Bewertung von Medikament YZ bei vergleichbarer Indikation ein Zusatznutzen in der relevanten Zielpopulation angenommen werden. Die Anwendung einer nicht-medikamentösen Zusatzbehandlung bleibt hiervon unberührt.

Alles klar? Sicher nicht, denn es bleiben einige Fragen offen:

  • „In diesem Zusammenhang“ → in welchem?
  • „vergleichbare Indikation“ → vergleichbar womit?
  • „relevante Zielpopulation“ → junge Männer?
  • „hiervon unberührt“ → wovon genau?

Abhilfe: Einfach schreiben was man meint. Floskeln und Pseudo-Wissenschaftsjargon sollte man vermeiden.

„Das Medikament XY ist für die Behandlung des chronischen Haarausfalls bei jungen Männern zugelassen. Für ein weiteres Medikament, YZ, kann bei der Behandlung des chronischen Haarausfalls ein Zusatznutzen für diese Zielpopulation angenommen werden. Eine nicht-medikamentöse Zusatzbehandlung kann trotz einer XY- oder YZ-Therapie durchgeführt werden.“

Fazit

Unklare Demonstrativ-Pronomen und Oberbegriffe und dazu ein paar Vagheitsausdrücke – und schon driftet der Inhalt Ihres Papers oder Ihrer Doktorarbeit ins Nebulöse ab. Tipps zu mehr Klarheit gibt’s außerdem im Paper-Protokoll, der Schreibanleitung für biomedizinische Originalartikel (ISBN: 978-3-7345-4167-4) …

Mehr Klarheit durch das Paper-Protokoll

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Dr. rer. nat. Stefan Lang
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