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Das Paper finalisieren: Micro-Editing

Das Macro-Editing eines Papers betrifft die Überarbeitung der großen Dinge: Textstruktur und Argumentation, Abbildungen und Tabellen. Und das Micro-Editing? Das Micro-Editing kümmert sich um die kleinen Dinge des Papers: Buchstaben, Zahlen und Zeichen. Kleine Dinge, schon klar, aber keine Kleinigkeiten, denn auch sie müssen stimmen.

Ok, das Paper steht: Der Text klingt logisch und liest sich geschmeidig. Abbildungen illustrieren die wichtigsten Befunde und Tabellen stellen interessante Details bereit. Bevor Sie nun voreilig auf „Submit“ klicken und Ihre weitere Kariere in die Hände der Editoren und Gutachter des Journals legen, sollten Sie sich noch um ein paar Kleinigkeiten kümmern: Buchstaben, Zahlen und Zeichen.

Runde 1 des Micro-Editings: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung

Der Rechtschreibkorrektursoftware sein dank: Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung lassen sich in Windeseile korrigieren. Hat man vor Beginn des Korrekturlaufs auch die richtige Sprache – american or british english – ausgewählt, ist man schon einen Schritt weiter und die größten Schnitzer können aus dem Manuskript getilgt werden.

Aber: Es wäre blauäugig, sich ausschließlich auf eine Software zu verlassen, die weder die medizinischen Fachausdrücke noch die Gepflogenheiten des Scientific English kennt. Ein manueller Leseschritt fördert meist zahlreiche unentdeckte Fehler zutage.

  • Software-basierte Korrektur: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung
  • Leseschritt: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung

Runde 2 des Micro-Editings: Zitate und Literaturverzeichnis

Auch hierfür kann man technische Hilfen nutzen: Fast jede Literaturverwaltungssoftware bietet eine Edit-Citation-Funktion, mit der man alle Zitate im Text der Reihe nach durchklicken kann. Mit jedem Klick öffnet sich ein Info-Fenster mit Autor, Jahreszahl und Titel – so kann man schnell überprüfen, ob man die richtige Quelle gewählt hat. Zusätzlich sollte man prüfen, ob ein Zitat an der richtigen Stelle platziert wurde. Denn: Nicht immer gehört die Quelle an das Satzende.

Auch das Literaturverzeichnis sollten Sie gesondert betrachten: Auch wenn man alle bibliografischen Angaben seiner Quellen direkt aus Pubmed heruntergeladen hat – Fehler passieren. So kann etwa der Zitierstil des Journals, den Ihr Programm anbietet, veraltet sein. Oder er ist zwar für Originalartikel und Reviews, nicht aber für Kongressabstracts und Patentschriften geeignet.

  • Software-basierte Korrektur: Edit-Citation-Funktion für Quellenverweise im Text
  • Leseschritt: Literaturverzeichnis

Runde 3 des Micro-Editings: Gedanken- und Bindestriche, Klammern, mathematische Operatoren

Gedankenstrich ist nicht Bindestrich: Ein Gedankenstrich schenkt dem Leser eine kleine Pause – Zeit für ein kurzes mentales Durchatmen. Der Bindestrich koppelt dagegen zwei Begriffe oder eine Abkürzung mit einem Begriff (platelet-derived; MS-patients).

Klammern: Nach der öffnenden und vor der schließenden Klammer darf kein Leerzeichen stehen. Und muss man in einen Klammereinschub eine weitere Klammer platzieren, nimmt man dafür die eckigen Klammern (ein Klammereinschub [unabhängig davon, ob er noch mal einen Einschub in sich trägt] gehört an das Satzende).

Vor und nach mathematischen Operatoren gehören Leerzeichen: = < > (Auch das ist übrigens keine allgemein gültige Regel. Es gibt einige Journals, die das anders handhaben).

  • Software-basierte Korrektur: Suche nach falschen Leerzeichen und Bindestrichen (Suchfunktion)

Runde 4 des Micro-Editings: Buchstaben

Einzelne Buchstaben – das sind zum Beispiel die wissenschaftlichen Einheiten. Zwischen Zahl und Einheit bzw. Prozentzeichen gehört immer ein Leerzeichen. Zahlen werden in Kombination mit wissenschaftlichen Einheiten oder dem Prozentzeichen niemals ausgeschrieben.

Einzelne Buchstaben: Das können auch die Beschriftungen von Teil-Abbildungen sein. Hat man für die Teile einer Abbildungen Großbuchstaben und nicht Kleinbuchstaben oder Zahlen verwendet, sollte man das bei allen Abbildungen tun. Beachten Sie dabei die Gepflogenheiten des Journals.

Mithilfe der Suchfunktion von Word können Sie kontrollieren, ob Sie eine Abkürzung nach ihrer Einführung durchgängig verwendet haben. Der ausgeschriebene Begriff sollte daher nur einmal im Text auftreten. Doch Vorsicht: Im Abstract sowie in Abbildungs- und Tabellenlegenden müssen Abkürzungen erneut eingeführt werden.

  • Software-basierte Korrektur: Kontrolle der Einheitlichkeit mithilfe der Suchfunktion (Beschriftungen, Abkürzungen)

Runde 5 des Micro-Editing: Zahlen, Zahlen, Zahlen

Klar, in einer präzisen Wissenschaft müssen die Zahlen stimmen, alle Zahlen. Fehler können passieren, wenn etwa während des Schreibprozesses eine statistische Auswertung nachgeschoben wurde. Achten Sie daher auf:

  • Übereinstimmung Abstract – Text
  • Übereinstimmung Tabelle, Abbildung – Text

Kontrollieren Sie im Text auch alle Verweise auf Abbildungen und Tabellen. Wurde eine Abbildung ergänzt oder eine Tabelle entfernt, vergisst man gern die Verweise im Text anzupassen.

  • Software-basierte Korrektur & Leseschritt: Stimmen die Werte im Text, in den Tabellen und in den Abbildungen überein?

Weiteres Micro-Editing

Schreibt man nicht gerade das Manuskript eines Originalartikels, in dem übermäßige Formatierungen meist unerwünscht sind, muss man sich auch noch um Überschriften- und Textformate und Layoutfragen kümmern. Bei Doktorarbeiten etwa sollte man das tun. Zum Beispiel verlangen einige Promotionsordnungen, dass englische Begriffe kursiv geschrieben werden.

Fazit

Es kommt also einiges zusammen beim Micro-Editing und man sollte sich ausreichend Zeit nehmen. Das Gute: Für die meisten Tätigkeiten gibt es technische Hilfsmittel wie etwa die Suchfunktion Ihres Textverarbeitungsprogramms.

Die Arbeitsschritte im Paper-Protokoll:

  • Konzept: Planung des Papers
  • Gliederung: Struktur und Argumentation
  • Rohfassung: Verständlichkeit und Überzeugungskraft
  • Überarbeitung: Stil und Format & Micro-Editing
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Dr. rer. nat. Stefan Lang
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