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Wie hält man einen phantastischen Life-Science-Vortrag?

Ob im Montagabendseminar, bei der Arbeitsgruppenbesprechung oder auf einem Kongress – es gibt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die ihr Publikum fesseln und begeistern können. Andere schläfern es ein. Was macht den Unterschied?

Neulich war ich auf einem phantastischen Vortrag des Neurowissenschaftlers Prof. Kent C. Berridge. Nicht nur, dass ich wahnsinnig viel gelernt hab, ich war auch begeistert von seiner Vortragstechnik, von seinem Präsenz. Natürlich ist beides, Lernen und Vortragstechnik, eng mit einander verknüpft. Aber ich fragte mich anschließend: Woran lag es, dass der Vortrag von Prof. Berridge so wahnsinnig gut war?

Hier die vier Punkte, die mir besonders aufgefallen waren:

[1] Gute Präsentationsfolien für den Vortrag

Schon auf den ersten Blick sah man: Der Mann versteht etwas von Kommunikation. Die Slides seiner Präsentation hatten wenig Text und klare Abbildungen. Sie begannen mit einer Überschrift, die entweder die Fragestellung oder Kernbotschaft eines Experimentes wiedergaben, und sie endeten mit einer klar formulierten Antwort bzw. einer Übersicht über die wichtigsten Befunde.

[2] Kommunikativer Aufbau des Vortrags

Sein Vortrag folgte einem klaren Aufbau, der in sich logisch und stimmig war. Seine wichtigsten Befunde kündigte er zunächst an (z.B. mit einer Frage), dann erläuterte er sie und anschließend fasste er sie noch einmal als Take-home-message mit einfachen Worten zusammen. So geht kein Zuhörer verloren.

"Tell the audience what you're going to say, say it; then tell them what you've said." (Dale Carnegie)

[3] Maximale Bühnenpräsenz beim Vortrag

Wer sich bereits einige Vorträge auf medizinischen oder biologischen Kongressen angesehen hat (oder allg. Life-Science-Veranstaltungen), hat wahrscheinlich festgestellt: Die meisten Redner stehen während ihres Vortrags an derselben Stelle – statisch, oftmals verschanzt hinter ihrem Rednerpult. Ihr Blick ist entweder auf die Rückseite des Hörsaals gerichtet oder auf ihre Präsentationsfolie.

Nicht so bei Prof. Berridge: Er bewegte sich frei über die Bühne, mal nach links, mal nach rechts und sah dabei sein Publikum direkt an, einzelne Personen mit Blickkontakt. So entsteht maximale Präsenz, so entsteht die Aufmerksamkeit, die man braucht, um einem 90-minütigen Vortrag folgen zu können.

[4] Respekt beim Vortrag

Sein Respekt für das Publikum zeigte sich auch in der anschließenden Fragerunde – jede Frage, ganz gleich ob sie von einem Professor oder einer Studentin gestellt wurde, beantwortete er mit der gleichen Hingabe, ausführlich und dennoch fokussiert. Kein Bla-Bla, sondern stets direkt auf den Punkt.

Fazit

Ist Prof. Berridge nun ein Naturtalent? Vielleicht. Aber all diese Punkte kann man lernen und üben:

  • Wie man für seinen Vortrag gute Präsentationsfolien macht
  • Wie man einen Vortrag didaktisch-sinnvoll gestaltet
  • Wie man in seinem Vortrag die Aufmerksamkeit des Publikums stimuliert

Und warum beschäftigt sich eigentlich ein Schreibtrainer mit der Vortragstechnik? Weil für Vorträge und Texte ähnliche kommunikative Grundsätze gelten (hierzu gab es mal einen Artikel von C. Kressmann und mir: Six communication rules forscientific presentations and writing).

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