Forschen . schreiben . publizieren – Praxisnahe Bücher zum wissenschaftlichen Schreiben

Die fünf häufigsten Fehler in der Einleitung oder Introduction

Was sollte die Einleitung einer Doktorarbeit oder die Introduction eines Papers liefern? Kontext – warum Doktorarbeit oder Paper relevant, wichtig und interessant ist. Was sollten Einleitung und Introduction nicht tun? Langweilen!

Eine gute Einleitung (Doktorarbeit) oder Introduction (Paper) sollte den Kontext bereitstellen, den der Leser braucht, um die Arbeit zu verstehen. Sie sollte den Leser oder die Leserin auch für das Thema begeistern – indem sie das Projekt in einen größeren Zusammenhang einordnet und erklärt, warum man sich für dieses Thema interessieren sollte. Kontext und Begeisterung.

Wie man eine gute Einleitung oder Introdcution schreibt

Was eine Einleitung oder Introduction jedoch keinesfalls tun sollte, ist, den Leser zu langweilen. Doch das sieht man leider all zu oft. Daher: Die fünf häufigsten Fehler, die zu einer langweiligen Einleitung oder Introduction führen:

Fehler (1) der Einleitung/Introduction: Es gibt kein Problem, keine Frage

Das ist ein schwerwiegender Fehler: Wenn die Einleitung oder Introduction kein klares Problem schildert oder keine klare Frage formuliert, wird sich auch niemand für die Lösung oder die Antwort interessieren.

Zudem sollten Problem und Frage logisch nachvollziehbar hergeleitet werden – indem man die konkreten Wissenslücken eines bestimmten Forschungsgebietes identifiziert.

Fehler (2) der Einleitung/Introduction: Alles ist irgendwie zu lang

Auch das ist ein schwerer Fehler: Wenn Autoren oder Autorinnen glauben, die Einleitung oder Introduction wäre so etwas wie ein Literatur-Review, der die gesamte Bandbreite eines Forschungsgebietes abdecken muss. Dann wird Einleitung oder Introduction unweigerlich zu lang (Science beschränkt die Introduction eines Papers übrigens auf ein bis zwei Absätze).

Nein, die Einleitung oder Introduction soll nur das Wissen bereitstellen, das man braucht, um die eine Fragestellung der konkreten vorliegenden Arbeit zu verstehen – nicht mehr.

In diesem Zusammenhang: Auch Absätze und Sätze dürfen nicht zu lang sein. Denn die Einleitung oder Introduction sollte problemlos verstanden werden können. Sonst verlieren Leser und Leserin die Lust am Lesen, bevor sie überhaupt zu den spannenden Ergebnissen kommen.

Fehler (3) der Einleitung/Introduction: Der Anfangssatz ist langweilig und austauschbar

Dies betrifft den ersten Satz der Einleitung (general topic). Anfangssätze sollten Interesse wecken und dem Leser gewissermaßen zurufen: „Achtung, die Einleitung dieser Arbeit behandelt das folgende medizinische oder wissenschaftliche Problem und das ist wichtig!“

Allzu oft liest man jedoch Einstiegssätze, die eher nach trockenen Definitionen klingen, die man in altertümlichen Lehrbüchern manchmal lesen kann („Krankheit XY wurde historisch definiert als…“ gähn).

Krankheit XY ist die häufigste Ursache von …“ klingt schon besser. Dann weiß jeder, warum man weiterlesen sollte.

Fehler (4) der Einleitung/Introduction: Es gibt keinen Lesefluss

Eine gute Einleitung nennt bekannte Fakten, identifiziert dann Wissenslücken und präsentiert dann eine Fragestellung, die aus eben diesen Wissenslücken direkt resultiert:

known→unknown→question

Eine schlechte Einleitung oder Introduction besteht aus verschiedenen „Blöcken“, die zwar allerlei Wissenswertes auflisten – jedoch ohne Zusammenhang und ohne logische Reihenfolge.

Das sollte man also nicht vergessen: Eine Einleitung oder Introduction erzählt auch eine Geschichte – der Fluss, also die Reihenfolge der Informationen ist für die Spannung wichtig. Ohne Fluss wird’s langweilig.

Fehler (5) der der Einleitung/Introduction: Sie ist zu schwer.

Hat man als Leser oder Leserin schon in der Einleitung oder Introduction Schwierigkeiten irgendwie durchzublicken, verliert man schnell die Lust weiterzulesen: „Wenn ich die Introduction schon nicht verstehe, wie soll das erst bei den Results gelingen?“

Folgende Punkte verhindern zusätzlich zu den Fehlern (1) bis (4) den Durchblick bei Einleitung oder Introduction:

  • Fachbegriffe nicht erklärt: Klar, es gibt Fachbegriffe, die man voraussetzen kann (stem cells). Es gibt aber auch Fachbegriffe, die man erklären sollte (CD34+ CD19+ stem cells).
  • Zu viele Synonyme: Schreibt man mal stem cell und dann wieder precursor cell (obwohl man den gleichen Zelltyp meint), wird sich der Leser zurecht fragen, mit welchem Zelltyp nun eigentlich gearbeitet wurde.
  • Zu viele Abkürzungen: Hier bekommt der Leser den Eindruck, erst einmal Vokabeln bzw. Abkürzungen pauken zu müssen. „Die JR5-Rezeptoren der EC wurden bislang mithilfe von anti-JAK Antikörpern aus WCE von HUVEC kopräzipitiert.“
  • Zu lange Sätze (siehe Fehler 2): Monstersätze – manchmal besteht ein vollständiger Absatz aus nur einem Satz – können nicht mehr verstanden werden. Leser und Leserin müssen den Satz mehrmals lesen – oder geben einfach auf.

Fazit

Nein, eine wirklich gute Einleitung oder Introduction zu schreiben, ist gar nicht so einfach – aber auch nicht so schwer, wenn man diese Punkte berücksichtigt:

  • klare Fragestellung und diese logisch herleiten
  • so lang wie nötig, so kurz wie möglich
  • einen pfiffigen Einstiegssatz formulieren
  • dem roten Faden aus known-unknown-question folgen
  • verständlich und kommunikativ schreiben

Weitere Tipps für die Einleitung der Doktorarbeit oder die Introduction des Papers gibt’s hier:

Schreibratgeber Doktorarbeit Medizin

Link amazon

Schreibratgeber biomedizinische Originalartikel

Link amazon

Ratgeber wissenschaftliche Poster

Link amazon

Einen Kommentar schreiben

Ich benötige diese Daten, um Ihren Kommentar bearbeiten zu können. Bitte beachten Sie meine Datenschutzerklärung.

 
Link nach oben
 
 
 

Kontakt

Dr. rer. nat. Stefan Lang
Scientific-Medical Writer

Ringstraße 7
91080 Marloffstein

Tel.: +49 (0) 9131 6103 623
info@nullforschen-schreiben-publizieren.de

Ich benötige diese Daten, um Ihre Anfrage bearbeiten zu können. Bitte beachten Sie meine Datenschutzerklärung.