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Neue Serie: Typische Non-Native-Fehler

Man muss kein Native-Speaker sein, um ein gutes Scientific English schreiben zu können. Und umgekehrt gibt es natürlich auch Native-Speaker, die sich mit den Gepflogenheiten des Scientific English nicht auskennen. Was braucht man also, um einen englischsprachigen Fachartikel schreiben und erfolgreich publizieren zu können?

Ich glaube, ich habe mich in einem meiner etwas länger zurückliegenden Blog-Beiträgen schon einmal mit dieser Frage beschäftigt. Letztendlich würde ich die Frage heute so beantworten:

Manche Wissenschaftler haben Probleme mit dem Wissenschaftsenglisch.Wer in seiner Muttersprache einen guten wissenschaftlichen Text schreiben kann und sich mit den Gepflogenheiten des Scientific English auskennt, kann auch einen englischsprachigen Fachartikel schreiben. Stimmt der Inhalt, hat er auch die besten Chancen, ihn zu publizieren.

Der Grund für meinen heutigen Beitrag: Ich hatte neulich den Auftrag, ein Research Paper zu überarbeiten, das schon zweimal wegen sprachlicher Probleme ‚abgeschossen‘ wurde. In diesem Paper sind mir ein paar Dinge ins Auge gesprungen, die man gut und gern als typische Fehler von Non-Native-Speakern bezeichnen könnte – und im Wissenschaftsenglisch vermeiden sollte.

Die Sache mit dem Komma im Scientific English

Was bei uns das Komma ist (pH < 7,35) ist im Englischen (und natürlich im Wissenschaftsenglisch) der Punkt (pH < 7.35). Wer das konsequent falsch macht, hat eigentlich keine Chancen mehr auf ein reibungsloses „accepted“.

Buntes Wissenschaftsenglisch: show, reveal, suggest – aber nicht immer „indicate“

Gestolpert bin ich über den Satz: Preliminary data indicate that … may … „To indicate“ ist schon ein ziemlich starkes Verb. Es bedeutet im Wissenschaftsenglisch „hinweisen“ oder „zeigen“ mit einer kleinen Nuance Unsicherheit (also etwas schwächer als „to show“). Ich empfinde das als Widerspruch zu den „präliminären Daten, die womöglich…“. Preliminary data suggest that … may … wäre besser gewesen.

Vielleicht wäre der Fehler nicht so ins Gewicht gefallen, hätten die Autoren nicht fast ausschließlich „indicate“, aber so gut wie nie „show“, „reveal“, „suggest“ oder andere Varianten benutzt.

Wissenschaftsenglisch: more vs. higher

„Diese Rate war mehr als wir erwarten konnten.“ Ok, das kann man so sagen. Aber eine Flussrate war nicht mehr als 20 L/min (rates were more than), sondern höher als 20 L/min: higher than.

Additional oder additionally im Scientific English?

Im Deutschen fällt uns der Unterschied vielleicht nicht so auf: „Zusätzlich haben wir das Ergebnis mit einer anderen Methode verifiziert.“ vs. „Wir haben das Ergebnis mit einer zusätzlichen Methode verifiziert.“

Im ersten Satz bezieht sich „zusätzlich“ auf das Verb. Es ist ein Adverb: additionally. Im zweiten Satz gehört es zum Hauptwort „Methode“. Also ein Adjektiv: additional.

Unpersönliches Wissenschaftsenglisch? Patients that underwent …

Nicht korrekt, bei Personen das sächliche „that“ zu nehmen, auch nicht im Wissenschaftsenglisch: „Patients who underwent“ ist besser.

Present Perfect im Wissenschaftsenglisch

Manche Non-Natives scheuen das Present Perfect wie der Teufel das Weihwasser: Studien wurden und werden auch weiterhin durchgeführt, aber ein bestimmter Mechanismus wurde bislang nicht identifiziert. „The mechanism has not been identified so far“ signalisiert genau das: In der Vergangenheit und bis heute wurden und werden Studien durchgeführt – die Wissenschaftler probieren es also noch immer. „Was not identified“ oder „is not identified yet“ passt hier also nicht.

Der Unterschied Past Tense vs. Present Tense kann im Wissenschaftsenglisch sinnentscheidend sein.

„or“ oder „and“ im Scientific English?

DNA kann durch Hitze, Säuren oder Enzyme degradiert werden. Im Deutschen ist das „oder“ in Ordnung. Es bedeutet: Alle drei Faktoren können DNA degradieren. Im Wissenschaftsenglisch nimmt man jedoch dafür das „and“.

So – das waren die häufigsten Fehler, die mir in diesem Projekt aufgefallen sind. Weitere Beiträge zu typischen Non-Native-Fehlern werden folgen.

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